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Virtuelle Universität

Virtuelle Universitäten sind Hochschulen oder Zusammenschlüsse von akademischen Aus- und Weiterbildungseinrichtungen, die ihren Lehrbetrieb teilweise oder ganz computer- und vor allem internetbasiert abwickeln. Sie sind nicht nur für normale Studiengänge interessant, sondern auch für die wissenschaftliche Weiterbildung.

Begriff

Virtuelle Universitäten – auch „virtuelle Hochschulen“ genannt – sind Hochschulen oder Zusammenschlüsse von akademischen Aus- und Weiterbildungseinrichtungen, die ihren Lehrbetrieb teilweise oder ganz computer- und vor allem internetbasiert abwickeln. Beispiele für Umsetzungen auf unterschiedlichem Niveau sind einzelne webbasierte Kurse, virtuelle Vorlesungen im Verbund, elektronisch unterstützte bzw. virtuell durchgeführte Studiengänge und reine Online-Hochschulen ohne physischen Campus.

Ziele

Die virtuelle Universität bietet durch die Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien und digitalen Medien neuartige Lehr- und Lernformen sowie die Möglichkeit des räumlich und zeitlich flexiblen Lernens. Die Lernenden können von personalisierten und bedarfsorientierten Angeboten profitieren. Wichtige Methoden sind E-Training im Sinne längerfristiger Lernmaßnahmen, E-Collaboration als Lernen und Arbeiten in Gruppen und Just-in-time-E-Learning für das problemorientierte, leistungsunterstützende Lernen. Typische Angebote sind Computer-based Trainings (CBTs), Web-based Trainings (WBTs) sowie Übertragungen und Aufzeichnungen von Veranstaltungen mit Hilfe von Audio und Video; verwendet werden Lösungen wie E-Mail, Chats und Diskussionsforen, Audio- und Videokonferenzen, Whiteboards, Mashups, Podcasts, Wikis, Blogs und Mikroblogs sowie Virtuelle Klassenzimmer. Von einer Universität oder mehreren Hochschulen betriebene Lernplattformen integrieren Prozesse und Anwendungen und stellen einen zentralen und individuellen Zugang bereit.

Neben der Virtualisierung des Lehrens und Lernens im engeren Sinne können mit dem Begriff der virtuellen Universität auch Entwicklungen in Organisation, Verwaltung und Bibliothek sowie im Bereich des Wissensmanagements angesprochen werden. Interessierte bewerben oder immatrikulieren sich über einen Online-Service, Studierende melden sich über die Lernplattform für Veranstaltungen und Prüfungen an, nehmen während oder am Ende der Veranstaltungen an Online-Prüfungen teil, rufen ihre Ergebnisse in einem persönlichen, geschützten Bereich ab und werden per SMS über Änderungen informiert. Mitarbeiter arbeiten Referenzlösungen durch, bringen sich zu rechtlichen und technischen Fragen auf den neuesten Stand und vernetzen sich zu Themen und Projekten. Bibliotheken bauen Volltextserver auf, vermitteln den Zugriff auf elektronische Artikel und initiieren Wikis zu innovativen Anwendungs- und Forschungsgebieten.

Virtuelle Hochschulen sind für normale (grundständige oder ergänzende) Studiengänge interessant, aber auch für die wissenschaftliche Weiterbildung. So bieten verschiedene Fachhochschulen und Universitäten virtuelle Aufbau- und Weiterbildungsstudiengänge an und gewinnen Mitarbeiter von Unternehmen für die Teilnahme an einem Online-Master. Damit ergänzen virtuelle Hochschulen Corporate Universities und decken das ganze Spektrum der Aus- und Weiterbildung ab. Zudem leisten sie einen Beitrag für das sogenannte lebenslange Lernen.

Entwicklung

In den USA sind virtuelle Hochschulen bereits seit den 90er-Jahren verbreitet. In Großbritannien hat die 1969 gegründete Open University ihren Sitz, die als eine der größten Fernhochschulen mit virtuellem Schwerpunkt gelten darf. In Deutschland wurden erste umfassende Strategien und Konzepte Mitte der 90er-Jahre entwickelt. Impulse gingen dabei von Fernhochschulen ebenso aus wie von Zusammenschlüssen akademischer Einrichtungen; finanzielle Förderungen gab es auf Landes- und auf Bundesebene. Beispiele für virtuelle Hochschulen in Deutschland sind die VGU School of Business Informatics, die Virtuelle Hochschule Bayern (VHB) und der Hochschulverbund Virtuelle Fachhochschule (VFH). In der Schweiz wurde die virtuelle Lehre von 2000 bis 2008 im Rahmen des Virtuellen Campus Schweiz (SVC) unterstützt. Heute sind E-Learning- und Blended-Learning-Angebote und der Einsatz von Lernplattformen an Hochschulen im deutschsprachigen Raum selbstverständlich; die rein virtuelle Lehre hat sich aber, von einigen Nischen abgesehen, nicht durchsetzen können. Selbst Fernhochschulen setzen üblicherweise immer noch auf traditionelle Lehr- und Lernmaterialien und wickeln die Lehre nicht nur über das Netz, sondern auch mit Hilfe von gedruckten Studienbriefen und interaktiven CD-ROMs bzw. DVDs ab.

Literatur

Schulmeister, Rolf: Lernplattformen für das virtuelle Lernen: Evaluation und Didaktik. Oldenbourg : München 2005.

Schulmeister, Rolf: Virtuelle Universität – Virtuelles Lernen. Oldenbourg : München 2001.

Uhl, Volker: Virtuelle Hochschulen auf dem Bildungsmarkt. Gabler : Wiesbaden 2003.

Yen, Min-Whe: Aufbau und Attraktivität einer virtuellen Universität: Untersuchungen zu ihren Grundformen sowie zu Lernstilen und Lernpräferenzen der Studierenden. Cuvillier : Göttingen 2009.

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Zuletzt bearbeitet: 13.10.2011 11:44
Letzter Abruf: 24.05.2012 16:20
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