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Supply Chain Management

Die zunehmende Globalisierung und harte Konkurrenz zwingt die Unternehmen sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren und sonstige Aktivitäten an andere Best-in-Class Firmen zu übertragen. Auf diese Weise entstehen komplexe Unternehmensnetzwerke, die effektiv gestaltet und gesteuert werden müssen.

Definition

Supply Chain Management (SCM) ist ein Ansatz zur Koordination und Optimierung der Abläufe zwischen mehreren Akteuren, die sich gemeinsam bemühen ein Produkt auf den Markt zu bringen. Da zunehmend nicht einzelne Unternehmen, sondern ganze Versorgungsketten miteinander in Konkurrenz stehen, gewinnt Supply Chain Management immer mehr an Bedeutung.

„Supply Chain Management ist die unternehmensübergreifende Koordination der Material- und Informationsflüsse über den gesamten Wertschöpfungsprozess von der Rohstoffgewinnung über die einzelnen Veredelungsstufen bis hin zum Endkunden mit dem Ziel, den Gesamtprozess sowohl zeit- als auch kostenoptimal zu gestalten“ [Scholz-Reiter, Jakobza 1999, S. 8].

Supply Chain Management entstand am Ende des letzten Jahrhunderts und wurde durch die Entwicklung moderner Internet-basierter Kommunikationstechnologien ermöglicht. Das Betrachtungsobjekt des SCM ist nicht eine bestimmte Organisation, sondern die gesamte Wertschöpfungskette. Damit werden durch die Optimierung des ganzen Systems bessere Ergebnisse erzielt, als durch die Optimierung der einzelnen Komponenten [Richert 2006, S. 21].

Abgrenzung von der Logistik

Früher wurden Supply Chain Management und Logistik als Synonyme betrachtet, obwohl sie unterschiedliche Untersuchungsobjekte umfassen. Im Gegensatz zur Logistik, hat SCM eine unternehmensübergreifende Sicht auf sämtliche Geschäftsprozesse und verbindet mehrere Bereiche, wie Einkauf, Produktion, Distribution, Marketing, Controlling usw. SCM konzentriert sich auf den strategischen Aspekt der funktionalen Bereiche und überlässt die taktischen Fragen den einzelnen Teilnehmern [Larson, Halldorsson 2004, S. 21]. Selbst wenn SCM und Logistik sich zum Teil überschneiden, so enthält dennoch keines der Konzepte vollständig das andere.

Ziele & Aufgaben

Das Ziel des SCM ist die Gewährleistung der unternehmensübergreifenden, prozessorientierten Planung und Steuerung der gesamten Wertschöpfungskette unter Berücksichtigung der hohen Kundenerwartungen und kurzen Produktlebenszyklen. Zum einen betrachtet SCM, im Rahmen des Supplier Relationship Management, die Beziehungen mit Lieferanten um Güterlieferungen, Geldströme und Informationsflüsse optimal zu gestalten und zu steuern. Zum anderen ist Customer Relationship Management auf Endkunden ausgerichtet, um die steigenden Kundenanforderungen zu erfüllen und eine hohe Flexibilität zu gewährleisten.

Die konsequente Orientierung an der Nachfrage der Endkunden und eine durchgängige Kostensenkung über alle Wertschöpfungsstufen hinweg gehören zu den globalen Aufgaben des SCM. Die Erhöhung der Anpassungs- und Entwicklungsfähigkeit der Lieferkette ist eine weitere Aufgabe, die das langfristige Potenzial des SCM entfaltet [Busch, Dangelmaier 2004, S. 35]. Aus diesen strategischen Zielen lassen sich zahlreiche Unterziele ableiten, wie z. B. der Abbau von Beständen, die Erhöhung der Lieferzuverlässigkeit, die Verkürzung der Durchlaufzeiten, usw.

Erfolgspotenziale

Zu den wichtigsten Potenzialen des SCM gehört die Erzielung von Effizienz- und Innovationsvorsprüngen gegenüber der Konkurrenz. Weitere Vorteile des SCM umfassen die Reduzierung des Koordinationsaufwandes mit Lieferanten, die Effizienzsteigerung und Wettbewerbsvorteile sowie die Bekämpfung des Bullwhip Effekts. Des Weiteren sollen die modernen Kooperationmodelle wie Vendor Managed Inventory, Efficient Consumer Response und Continuous Replenishment zur Reaktionsfähigkeit und Flexibilität des SCM beitragen. Wie erfolgreich eine Lieferkette funktioniert, lässt sich im Rahmen des Supply Chain Performance Measurement bestimmen.

Probleme

Es ist äußerst schwierig SCM in die Praxis erfolgreich umzusetzen. Verschiedene Unternehmen einer Wertschöpfungskette können unterschiedliche, teilweise sich gegenseitig ausschließende Ziele verfolgen. Die gerechte Aufteilung der Kosten, Risiken und Gewinne stellt eine weitere Hürde auf dem Weg zu einem effizienten SCM dar. Zusätzlich verursachen das unterschiedliche Kompetenzniveau der Partner und die Angst vor der Ausnutzung des Wissens eine mangelnde Transparenz der Abläufe zwischen den Akteuren.

Literatur

Busch, Axel; Dangelmaier, Wilhelm (Hrsg.): Integriertes Supply Chain Management. Wiesbaden : Gabler, 2004.

Larson, Paul D.; Halldorsson, Arni: Logistics Versus Supply Chain Management: An International Survey. In: International Journal of Logistics: Research and Applications 7 (2004), Nr. 1, S. 17-31.

Richert, Jürgen: Performance Measurement in Supply Chains. Wiesbaden : Gabler, 2006.

Scholz-Reiter, Bernd; Jakobza, Jens: Supply Chain Management: Überblick und Konzeption. In: Hildebrand, Knut (Hrsg.); Meinhardt, Stefan (Hrsg.): Supply Chain Management (HMD 207). Heidelberg : dpunkt.verlag, 1999, S. 7-15.

Autor


 

Dr. Irena Okhrin, Europa-Universität Viadrina, Juniorprofessur in Information & Operations Management, Postfach 1786, 15207 Frankfurt (Oder)

Autoreninfo


Zuletzt bearbeitet: 16.10.2012 14:42
Letzter Abruf: 27.11.2014 02:19
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