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Kapazitätsabgleich
Gegenstand des Kapazitätsabgleichs ist die Beseitigung des Auseinanderfallens von Kapazitätsangebot und -nachfrage. Die in diesem Zusammenhang zur Verfügung stehenden Maßnahmen werden in diesem Beitrag beschrieben.
Grundlagen
Im Rahmen des Kapazitätsabgleichs sind die im Planungsschritt der Kapazitätsplanung sichtbar gewordenen Überauslastungen, aber auch drastische Unterauslastungen durch geeignete Maßnahmen zu beseitigen. Dazu stehen grundsätzlich zwei Möglichkeiten zur Verfügung [Kurbel 2005, S. 154-155; Vahrenkamp 2008, S. 186-187; Zäpfel 2001, S. 190-193]:
- Zum einen kann versucht werden, die Kapazitäten an die Belastungsprofile und damit das Kapazitätsangebot an die Kapazitätsnachfrage anzupassen.
- Zum anderen können die Belastungsprofile der Kapazitätseinheiten an die tatsächlich verfügbaren Kapazitäten angepaßt werden, d. h. es erfolgt eine Anpassung der Kapazitätsnachfrage an das Kapazitätsangebot.
Anpassung des Kapazitätsangebots an die Kapazitätsnachfrage
Für die Anpassung des Kapazitätsangebots an die Kapazitätsnachfrage stehen die folgenden Möglichkeiten zur Verfügung:
- Zeitliche Anpassung: Durch Anordnung von Überstunden oder Einführung von Zusatzschichten (bei einer Überauslastung) bzw. Schichtabbau oder Kurzarbeit (bei Unterauslastung der Kapazitäten) wird die Einsatzdauer der Arbeitssysteme an die Kapazitätsnachfrage angepasst.
- Intensitätsmäßige Anpassung: Durch eine Variation der Produktionsgeschwindigkeit wird die Ausbringungsmenge pro Zeiteinheit erhöht oder verringert.
- Quantitative Anpassung: Durch die Nutzung von Reservemaschinen, die kurzfristige Umsetzung von Arbeitskräften aus unterausgelasteten Bereichen oder den Einsatz von Springern oder Saisonkräften wird die Anzahl der in der Produktion tatsächlich genutzten Arbeitssysteme erhöht. Umgekehrt kann durch die vorübergehende Stilllegung von Maschinen, die temporäre Umsetzung von Arbeitskräften in überlastete Bereiche oder die Entlassung von Aushilfskräften einer Unterauslastung der Kapazitäten entgegengewirkt werden.
Anpassung der Kapazitätsnachfrage an das Kapazitätsangebot
Bei der Anpassung der Kapazitätsnachfrage an das Kapazitätsangebot ist zunächst zwischen den Situationen der Über- und Unterauslastung zu unterscheiden. Zum Abbau von Überlastungen können folgende Maßnahmen ergriffen werden:
- Sofern möglich, kann man Fertigungsaufträge oder einzelne Arbeitsgänge zeitlich vorziehen. Dies setzt voraus, dass die Kapazitäten vor einer Überlastung nicht vollständig ausgelastet sind.
- Technisch immer machbar ist das zeitliche Hinausschieben von Fertigungsaufträgen oder Arbeitsgängen. Möglicherweise können dadurch allerdings vom Kunden vorgegebene Fertigstellungstermine nicht eingehalten werden.
- Eine weitere Möglichkeit besteht in der Inanspruchnahme von Fremdbezugsmöglichkeiten anstelle der Eigenerstellung von Teilen eines Fertigungsauftrags.
- Wenn nur ein Teil eines Loses für die Fertigstellung eines Kundenauftrags oder die Auffüllung des Lagers unmittelbar benötigt wird, kann das Los auf diese Größe verkleinert und der Rest ggf. später produziert werden.
- Wenn keine der vorgenannten Möglichkeiten (wirtschaftlich) realisierbar ist, ist der völlige Verzicht auf einen Fertigungsauftrag in Erwägung zu ziehen.
Zur Vermeidung von Unterauslastungen sind folgende Maßnahmen denkbar:
- Vorzeitige Auftragsfreigabe (zeitliches Vorziehen von Fertigungsaufträgen),
- Losvergrößerung,
- Hereinnahme zusätzlicher Aufträge (sofern vorhanden) oder
- Ausführung von Lohnarbeiten.
Literatur
Kurbel, Karl: Produktionsplanung und -steuerung im Enterprise Resource Planning und Supply Chain Management. 6. Auflage, München, Wien : Oldenbourg, 2005.
Vahrenkamp, Richard: Produktionsmanagement. 6. Auflage, München : Oldenbourg, 2008.
Zäpfel, Günther: Grundzüge des Produktions- und Logistikmanagement. 2. Auflage, München, Wien : Oldenbourg, 2001.
Zuletzt bearbeitet: 26.08.2009 10:52
Letzter Abruf: 24.05.2012 13:34