PrioritätsregelPrioritätsregeln sind Vorschriften zur Reihenfolgenbestimmung für vor einer Maschine in einer Warteschlange befindliche Aufträge. In Abhängigkeit der Zielsetzung kommen unterschiedliche elementare und kombinierte Prioritätsregeln zum Einsatz. Hintergrund und Ziele"Prioritätsregeln dienen im Rahmen der Fertigungssteuerung der Reihenfolgeplanung von Fertigungsaufträgen an einzelnen Maschinen."
Prioritätsregeln legen die Reihenfolge fest, in denen konkurrierende Aufträge, die sich in einer Warteschlage befinden, einer Bearbeitungsstation zugeteilt werden. Hierzu wird für alle wartenden Aufträge nach einem vorgegeben Kriterium eine Priorität ermittelt, die als Selektionskriterium dient [Nebl 2007, S. 691, Corsten 2009, S. 504]. Im Rahmen der Fertigungssteuerung dienen Prioritätsregeln zur Reihenfolgeplanung der Fertigungsaufträge an den einzelnen Maschinen. Besonders bei Einzel- und Kleinserienproduktion in Werkstattfertigung durchlaufen viele Aufträge unterschiedlicher Produkte mit kleinen Losgrößen gleichzeitig die Produktion. Ein Fertigungsauftrag besteht dabei aus mehreren Arbeitsgängen (Operationen), die jeweils auf einer unterschiedlichen Maschine zu bearbeiten sind. Die Anzahl sowie die Folge der Arbeitsgänge, in denen die einzelnen Maschinen anzusteuern sind, können zwischen den einzelnen Produkten variieren. Die Reihenfolgeplanung stellt bei Werkstattfertigung ein komplexes Problem dar. Da bis auf wenige spezielle Fälle kein allgemein gültiges exaktes Verfahren zu Verfügung steht, werden in der Praxis zur Lösung des Reihenfolgeproblems meist Heuristiken eingesetzt, die auf Prioritätsregeln basieren [Haupt 1996, S. 1418]. Bei der Planung der Reihenfolge können verschiedene Ziele verfolgt werden. Typische Ziele sind [Nebl 2007, S. 69]:
Die aufgeführten Ziele konkurrieren wechselseitig, so dass nicht alle Ziele gleichzeitig realisiert werden können (Zielkonflikt). Elementare und kombinierte PrioritätsregelnGängige elementare Prioritätsregeln sind [Nebl 2007, S. 692-693, Adam 1998, S. 566, Corsten 2009, S. 505]:
Die Prioritätsregeln sind unterschiedlich gut geeignet zur Erreichung der einzelnen Ziele. Während bspw. die KOZ-Regel gut zur Erreichung der maximale Kapazitätsauslastung und der Minimierung der mittleren Durchlaufzeit geeignet ist, erfüllt sie das Ziel der Minimierung der maximalen Verspätung schlecht. Dieses Ziel wird hingegen gut durch die Schlupfzeit-Regel erreicht [Corsten 2009, S. 506-507, Nebl 2007, S. 699]. Daher werden neben den einfachen Prioritätsregeln auch kombinierte Prioritätsregeln [Nebl 2007, S. 695, Adam 1998, S. 567] eingesetzt, bei denen mehrere Einzelkriterien zu einer Priorität verbunden werden, z.B.
LiteraturAdam, Dietrich: Produktionsmanagement. 9. Auflage Wiesbaden : Gabler, 1998. Corsten Hans; Gössinger, Ralf: Produktionswirtschaft. 12. Auflage. München : Oldenbourg, 2009. Nebl, Theodor: Produktionswirtschaft. 6. Auflage München : Oldenbourg, 2007. Haupt, R. Prioritätsregeln in der Reihenfolgeplanung. In: Kern, Werner ; Schröder, Hans-Horst ; Weber; Jürgen (Hrsg.): Handwörterbuch der Produktionswirtschaft. 2. Auflage Stuttgart : Schäffer-Poeschel, 1996. Sp. 1418-1426. |
