Business EngineeringBusiness Engineering ist ein Anfang der 1990er Jahre entwickelter Ansatz zur Unternehmenstransformation. Wissenschaft und Praxis haben seither eine Vielzahl von Transformationsmethoden hervorgebracht. Charakteristika des ManagementansatzesBusiness Engineering (BE) bezeichnet die methoden- und modellbasierte Konstruktionslehre für Unternehmen des Informationszeitalters. Der Begriff „Engineering“ unterstreicht, dass es sich um einen ingenieurwissenschaftlichen Ansatz handelt. Durch ein arbeitsteiliges und systematisches „Konstruieren“ unterscheidet sich Business Engineering vom individualistischen „Schaffen“ [Winter 2003, S. 88]. Ziel des Ansatzes ist es, „innovative Geschäftslösungen so professionell wie Flugzeuge oder Fertigungsanlagen zu entwickeln“ [Österle, Blessing 2005, S. 7]. Business Engineering leitet die Unternehmen im Übergang vom Industrie- zum Informationszeitalter. Neben Veränderungen der Umwelt (Märkte, Kunden, Werte etc.) geht BE davon aus, dass insbesondere Innovationen aus dem Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien neue Geschäftslösungen ermöglichen. Business Engineering bringt betriebswirtschaftliches und informationstechnisches Wissen zusammen und verbindet es mit weiteren Aspekten der Transformation, von Darstellungsmitteln über Vorgehensmodelle bis hin zu kulturellen und politischen Gesichtspunkten [Senger 2004, S. 30]. Business Engineering bedeutet:
HistorieAnfang der 1990er Jahre entwickelten einzelne Vertreter der Managementlehre sowie große Beratungsunternehmen und Softwarehäuser Ansätze zur Bewältigung des Wandels von der Industrie- zur Informationsgesellschaft. Begriffe wie „Business Process Reengineering“ [Hammer, Champy 1993], „Business Process Improvement“ [Harrington 1991] oder „Process Innovation“ [Davenport 1993] lösten in der westlichen Welt eine breite, allerdings modisch überhöhte Bewegung aus [Österle 1995, S. 13]. Während die genannten Ansätze die Transformation zu sehr auf die Geschäftsprozesse reduzierten, zielt das Business Engineering auf die Neugestaltung der Wirtschaft auf Basis informationstechnischer Möglichkeiten ab (vgl. auch [Davenport/Short 1990]). Methoden des Business EngineeringDie deutschsprachige Wirtschaftsinformatik hat einen reichen Fundus an Methoden zur Transformation von Unternehmen hervorgebracht. Zu nennen sind Ansätze wie die Multiperspektivische Unternehmensmodellierung (MEMO) [Frank 1994], der St. Galler Ansatz des Business Engineering [Österle 1995], die Architektur integrierter Informationssysteme (ARIS) [Scheer 1996] und das Semantische Objektmodell (SOM) [Ferstl, Sinz 2001]. Andere Ansätze wie der Grazer Ansatz zur Geschäftsprozessmodellierung [Suter 2004] und die Methode zur Objektorientierten Geschäftsprozessmodellierung mit der Unified Modeling Language (OOGPM) [Oestereich et al. 2004] fokussieren lediglich auf wichtige Teilgebiete der Transformation. Im angelsächsichen Raum lassen sich zwei Ansätze finden, die aufgrund ihrer Bezeichnung auf eine dem BE-Ansatz folgende ganzheitliche Unterstützung bei der Unternehmenstransformation schließen lassen. Doch weder das Business Modelling nach [Holsapple, Varghese, Raghav 2002] noch die Arbeit von [Nilsson, Tolis, Nellborn 1999] differenzieren und verbinden die Gestaltungsebenen von Transformationsprojekten. LiteraturDavenport, Thomas H.: Process Innovation : Reengineering Work through Information Technology. Boston : Harvard Business School Press, 1993. Davenport, Thomas H. ; Short, James E.: The New Industrial Engineering : Information Technology and Business Process Redesign. In: Sloan Management Review 31 (1990), Nr. 4, S. 11 – 27. Ferstl, Otto ; Sinz, Elmar: Grundlagen der Wirtschaftsinformatik. 4. Auflage. München : Oldenbourg, 2001. Frank, Ulrich: Multiperspektivische Unternehmensmodellierung : Theoretischer Hintergrund und Entwurf einer objektorientierten Entwicklungsumgebung. München : Oldenbourg, 1994. Gutzwiller, Thomas: Das CC RIM-Referenzmodell für den Entwurf von betrieblichen, transaktionsorientierten Informationssystemen. Heidelberg : Physica, 1994. Hammer, Michael ; Champy, James: Reengineering the Corporation. New York : Harper Business, 1993. Harrington, H. James: Business Process Improvement. New York : McGraw-Hill, 1991. Holsapple, Clyde ; Varghese, Jacob ; Raghav, Rao: Business Modelling : Multidisciplinary Approaches : Economics, Operational, and Information Systems Perspectives (in Honor of Andrew B. Whinston). Boston : Kluwer Academic, 2002. Nilsson, Anders ; Tolis, Christofer ; Nellborn, Christer: Perspectives on Business Modelling : Understanding and Changing Organisations. Berlin : Springer, 1999. Oestereich, Bernd ; Weiss, Christian ; Schröder, Claudia ; Weilkiens, Tim ; Lenhard, Alexander: Objektorientierte Geschäftsprozessmodellierung mit der UML. korr. Nachdruck der 1. Auflage. Heidelberg : dpunkt.verlag, 2004. Österle, Hubert: Business Engineering : Prozess- und Systementwicklung. 2. Auflage. Berlin : Springer, 1995. Österle, Hubert ; Blessing, Dieter: Ansätze des Business Engineering. In: Strahringer, Susanne (Hrsg.): Business Engineering. HMD 42 (2005), Nr. 241, S. 7 – 17. Scheer August-Wilhelm: ARIS-House of Business Engineering : Von der Geschäftsprozessmodellierung zur Workflow-gesteuerten Anwendung; vom Business Process Reengineering zum Continuous Process Improvement. IWi-Heft 133. Saarbrücken : Universität des Saarlandes, 1996. Senger, Enrico: Zum Stand der elektronischen Kooperation : Fallstudien, Muster und Handlungsoptionen. Bamberg : Difo-Druck, 2004. Suter, Andreas: Die Wertschöpfungsmaschine. Zürich : Verlag Industrielle Organisation, 2004. Winter, Robert: Modelle, Techniken und Werkzeuge im Business Engineering. In: Österle, Hubert (Hrsg.) ; Winter, Robert (Hrsg.) : Business Engineering : Auf dem Weg zum Unternehmen des Informationszeitalters. 2. Auflage. Berlin : Springer, 2003, S. 87 – 118. |
