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Forschungsförderung (Wirtschaftsinformatik)

Die Forschung der Wirtschaftsinformatik erstreckt sich von der Grundlagenforschung bis in die betriebliche Anwendung. Dementsprechend vielfältig sind die genutzten Instrumente der Forschungsförderung. Darüber gibt dieser Beitrag einen Überblick und stellt Verweise auf für die Forschungsförderung der Wirtschaftsinformatik relevante Quellen zur Verfügung.

Die Innovationskraft einer Volkswirtschaft hat wesentlichen Einfluss auf die globale Wettbewerbsfähigkeit und damit auf die Fähigkeit eines Staates, die Wohlfahrt seiner Bürger zu sichern und zu fördern. Dies setzt exzellente Wissenschaftler, bestens ausgebildeten und ambitionierten Forschungsnachwuchs, hervorragende Forschungsinfrastrukturen, leistungsfähige Forschungseinrichtungen sowie möglichst reibungslos funktionierende, effiziente und effektive Forschungstransferprozesse voraus. Um dies zu erreichen, bedarf Forschung geeigneter Rahmenbedingungen sowie der ideellen, personellen und finanziellen Förderung. Forschungsförderung nimmt deshalb in den Regierungsprogrammen aller hochentwickelten Volkswirtschaften eine bedeutende Rolle ein (siehe bspw. Hightech-Strategie der Bundesregierung) und ist darüber hinaus in vielfältiger Weise international vernetzt, organisiert, koordiniert und finanziert.

Forschungsförderung im engeren Sinn bezeichnet die Bereitstellung finanzieller Mittel für Zwecke der Forschung (sog. Drittmittel). Hier hat sich in den vergangenen 20-30 Jahren eine signifikante Verschiebung von der sog. Grundfinanzierung hin zur Projektfinanzierung vollzogen. So werden die Arbeitsbedingungen der Wissenschaftler in den mit Forschung beauftragten Organisationen – insb. Universitäten, Max-Planck-Gesellschaft, die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e. V., Helmholtz-Gemeinschaft, Fraunhofer-Gesellschaft und auch viele F&E-Abteilungen von Unternehmen – heute bereits in erheblichem Maß von der Notwendigkeit zur "Drittmittelakquisition" bestimmt. Erfolg bemisst sich damit nicht nur an der wissenschaftlichen Exzellenz bezogen auf die Ergebnisse der Forschung, sondern wird, verkürzt, manchmal auch direkt nach der Höhe erfolgreich eingeworbener Drittmittel bewertet.

Wirtschaftsinformatische Forschung erstreckt sich von der Grundlagenforschung bis hinein in die betriebliche Anwendung. Die Bereitstellung von Drittmitteln erfolgt über forschungsfördernde Institutionen (DFG, die Projektträger insb. der EU, des BMBF und des BMWi, Stiftungen) sowie die Industrie und ist, dem gesellschaftlichen und ökonomischen Interesse entsprechend, auf recht unterschiedliche Ergebnisziele ausgerichtet (vgl. Abb. 1).

 

4-stufige Innovationskette

Abb. 1: Drittmittelfinanzierung und Forschungsziele

So vergibt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) Projektaufträge ausschließlich auf Basis einer wissenschaftlichen Selbstkontrolle. Im Vordergrund steht unabhängig vom Wissenschaftsgebiet die Förderung hochwertiger Grundlagenforschung. Im Gegensatz zur wissenschaftlichen Relevanz spielen Aspekte der gesellschaftlichen und insb. auch der wirtschaftlichen Relevanz bei der Förderentscheidung der DFG nur eine untergeordnete Rolle. Ziel der Gewährung einer sog. Sachbeihilfe (umfasst insb. die Personalkosten) ist die Gewinnung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und deren erfolgreiche Publikation, möglichst in einer hochrangigen internationalen Zeitschrift. Vergleichbare Kriterien legt das auf europäischer Ebene angesiedelte European Research Council an.

In Abgrenzung dazu fördern v.a. das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) v.a. die anwendungsorientierte und die industrienahe Forschung. In beiden Fällen dominiert die Verbundforschung, bei der sich Partner aus Wissenschaft und Praxis gemeinsam um eine Projektförderung bewerben. Auch wenn die Übergänge fließend sind, so ist doch zu beobachten, dass die Förderentscheidungen bei BMBF-Projekten mehr als bei BMWi-Projekten von der wissenschaftlichen Qualität der Anträge abhängen, wohingegen bei BMWi-Projekten die Produkt- und Marktnähe, also die wirtschaftliche Relevanz der Vorhaben stärkere Berücksichtigung findet.

Aufgrund des EU-Wettbewerbsrechts dürfen öffentliche Mittel nur zur Finanzierung "vorwettbewerblicher" Aktivitäten bereitgestellt werden. Sollen also im Rahmen einer Forschungsförderung auch signifikante Schritte zur Entwicklung eines konkreten Produkts oder einer marktfähigen Dienstleistung erfolgen, dann müssen hierzu private Mittel, also bspw. Eigenmittel eines Unternehmens eingesetzt werden. 

Der letzte Schritt in der Innovationskette besteht in der tatsächlichen Umsetzung von Forschungsergebnissen in Produkte und Dienstleistungen für einen konkreten Absatzmarkt. Die wichtigsten Quellen zur Finanzierung der dabei oft weiterhin erforderlichen Forschungs- und Entwicklungsleistungen sind hier die Bereitstellung von Eigen- und Fremdkapital in Form von (ggf. weiteren) Eigenmitteln des Gründers/Unternehmers, Venture Capital und Bankdarlehen sowie Zugang zum Kapitalmarkt.

Referenzen

Aktuelle Bekanntmachungen von Förderprogrammen und -richtlinien. http://www.bmbf.de/foerderungen/677.php

Deutsche Forschungsgemeinschaft. http://www.dfg.de/

EU-Forschungsfinanzierung: http://cordis.europa.eu/home_de.html

EU-Programm Horizon 2020: http://ec.europa.eu/research/horizon2020/index_en.cfm

European Research Council. http://erc.europa.eu/

Förderportal des Bundes. http://www.foerderinfo.bund.de/de/166.php

Förderdatenbank des Bundes. http://www.foerderdatenbank.de/

Fraunhofer-Gesellschaft. http://www.fraunhofer.de/

Helmholtz-Gemeinschaft. http://www.helmholtz.de/

Max-Planck-Gesellschaft. http://www.mpg.de/

Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e. V. http://www.wgl.de/

Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM). http://www.zim-bmwi.de

Autor


 

Prof. Dr. Stefan Kirn, Universität Hohenheim, Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik 2, Schwerzstraße 35, 70599 Stuttgart

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Zuletzt bearbeitet: 29.08.2013 11:52
Letzter Abruf: 28.08.2014 15:21
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