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E-Learning im Unternehmen

E-Learning in Unternehmen ist als strategische Ausrichtung und Steuerung der aufgabenbezogenen Wissensentwicklung und der darauf basierenden Fähigkeiten der Mitarbeitenden zu verstehen; bei der innovationsorientierten Gestaltung der Lernprozesse und des Lernumfelds werden die technologischen und methodischen Potentiale der Informations- und Kommunikationstechnologien besonders beachtet.

Ausrichtung an der Unternehmensstrategie

E-Learning in Unternehmen (engl. Corporate E-Learning) ist mit Blended Learning gleichzusetzen; mit dem Web 2.0 werden auch Social-Media-Anwendungen Bestandteil der Lernarrangements. Der Begriff "E-Learning" ist nicht auf die Technikkomponente zu reduzieren (vgl. E-Learning-Technologie). Aus der Sicht des Bildungsmanagements ist E-Learning in Unternehmen als strategische Ausrichtung und Steuerung der aufgabenbezogenen Wissensentwicklung und der darauf basierenden Fähigkeiten der Mitarbeitenden zu verstehen. Die Wissensentwicklungsprozesse und das Lernumfeld (Training i.w.S.) sind Gestaltungsobjekte des betrieblichen Prozessmanagements, das die Effektivität und Effizienz der Trainingsmaßnahmen zum Ziel hat [Heidecke 2008, S. 191 ff.; Obrecht, Hain 2009].

Bei der innovationsorientierten Gestaltung der Lernprozesse und des Lernumfelds werden die technologischen und methodischen Potentiale der Informations- und Kommunikationstechnologien besonders beachtet. Dieses managementorientierte E-Learning-Verständnis kommt in dem in Abbildung 1 skizzierten E-Learning-Referenzmodell zum Ausdruck [Back, Bendel, Stoller-Schai 2001]. In [Heidecke 2008, S. 43 ff.] findet sich ein Vergleich von ähnlichen konzeptionellen Modellen.

Die Entwicklung einer E-Learning-Strategie wird in [Back, Bendel, Stoller-Schai 2001, S. 100 ff.] vor allem als Change-Prozess verstanden. Der Strategieprozess gliedert sich in Ausgangslage, Vision, Strategie- und Umsetzungsplan, Kommunikationsprozess und schliesslich Audits, Controlling und Evaluation. Als Weiterentwicklung dieses E-Learning-Referenzmodells konstruiert die Arbeit von [Heideke 2008] – am Beispiel des Aussendiensttrainings – einen Architekturvorschlag (Geschäfts-, Prozess- und Applikationsarchitektur) und Methodenvorschlag (Aktivitäten, Phasen, Vorgehensmodell; Techniken, Ergebnisse; Metamodell und Rollenmodell) für das Training gemäß den Konzepten des Business-Engineering-Verständnisses [Oesterle, Winter 2003, S. 3 ff.].

E-Learning-Referenzmodell
Abb. 1: Integriertes E-Learning Referenzmodell

Die Strategy Map und Balanced Scorecard werden auch für die strategische Entwicklung und Steuerung von Lernprozessen verwendet [Back, Leithner 2006]. Sogenannte Learning Scorecards lassen sich für verschiedene Abstraktionsstufen entwickeln: Für Kursprojekte, für Trainingsprozesse in einem betrieblichen Funktionalbereich, und für ganze Bildungseinrichtungen. Im operativen Bildungsmanagement, dem Bildungscontrolling geht man bis hin zum Nachweis des ROI (z.B: Phillips ROI MethodologyTM), auch Return on Education genannt. (Zu Bildungscontrolling vgl. auch [Ehlers, Schenkel 2005]. In der Praxis ist man in vielen Organisationen jedoch noch weit von einem solchen umfassenden, innovationsorientierten strategischen Bildungsmanagement entfernt.

Lernprozesse und Rahmenbedingungen in Unternehmen

Verschiedenste „E-Learning“-Formen zur Unterstützung der Lernprozesse spielen eine Rolle. Eine lange Tradition haben in Lernarrangements eingebettete WBTs (vgl. Web-basiertes Lernen) oder computergestützte Planspiele („serious games“). Virtuelle Klassenzimmer mit Web-Conferencing-Lösungen und deren vortragsorientierte Nutzung, "Webcast" genannt, sowie Web Lecturing können als Stand der Praxis betrachtet werden. Mobiles Lernen und Web-Video-basiertes Lernen (vgl. Videobasiertes E-Learning auf dem Siegeszug 2.0) sind auf dem Vormarsch.

Ein Großteil des Lernens findet laufend und im Arbeitsprozess statt; institutionalisiertes und formalisiertes Training in Kursen ist nur ein Teil des Gestaltungsraums. Vor einigen Jahren sprach man vom arbeitsplatzorientiertem Lernen, dann vom Zusammenwachsen von E-Learning und Wissensmanagement. Weiterbildung, Kommunikation und Wissensmanagement verschmelzen [Böhler, Lienhardt, Robes, Sautter, Süß, Wessendorft 2011, S. 7]. Inzwischen hat sich dafür der Begriff „Informelles Lernen“ etabliert [Rohs 2008; Jay Cross and Friends 2010] und wird in Lernlösungen umgesetzt. So entstehen in Unternehmen Kurse, die auf Community-Plattformen laufen (z.B. [Trude, Sammer 2011]), und Social-Media-Funktionen werden sowohl in die Intranets bzw. Mitarbeiterportale als auch direkt in die Lernplattformen (LMS) integriert. Im Zusammenhang mit dem Trend zu kleinen und kurzen Lerneinheiten fallen oft die Begriffe „Microcontent“ und „Microlearning“ [Lindner 2008]); Bezeichnungen wie "Learning Nuggets" oder "Knowledge Snack" bzw. "Snack Learning" sind in der Praxis beliebt.

Auf Rahmenbedingungen von E-Learning im Unternehmen, u.a. Treiber des Technologieeinsatzes, beteiligte Unternehmensbereiche, Zielgruppen, Entwicklungsstufen und Erfolgsfaktoren gehen Böhler und Koautoren ein [Böhler et al. 2011].

 

Literatur

Back, Andrea; Bendel, Oliver; Stoller-Schai, Daniel: E-Learning im Unternehmen. Grundlagen – Strategien – Methoden – Technologien. Zürich : Orell Füssli, 2001.

Back, Andrea; Leithner, Barbara: Beiträge des Balanced-Scorecard-Ansatzes zur strategischen Verankerung von E-Learning im Unternehmen In: ZfB-Special Issue (2006), Nr. 2, S. 1-18.

Böhler, Christian; Lienhardt, Conrad; Robes, Jochen; Sauter, Werner; Süß, Maria; Wessendorf, Kirsten: Webbasiertes Lernen in Unternehmen. In: Ebner, Martin; Schön, Sandra (Hrsg.): L3T - Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien. 2011. (zum Download).

Cross, Jay and Friends: Working Smarter - Informal Learning in the Cloud. Berkeley: Internet Time Group 2010.

Ehlers, Ulf-Daniel; Schenkel Peter (Hrsg.): Bildungscontrolling im E-Learning: Erfolgreiche Strategien und Erfahrungen jenseits des ROI. Berlin u.a : Springer. 2005.

Heidecke, Florian: Außendiensttraining in Multinationalen Unternehmen: Architektur- und Methodenvorschlag. Hamburg : Verlag Dr. Kovac, 2008.

Lindner, Martin: Wissen und Lernen im Web: „Microcontent“ verändert den Arbeitsplatz. In: personal manager (2008), Nr. 1, S. 24 – 25.

Obrecht, Thomas; Hain, Stefanie: Modell für die Evaluation von E-Learning-Ausbildungen: ELEVALSCO. In: Back, Andrea (Hrsg.): Projektberichte Learning Center IWI-HSG Nr. 1/2009 (zum Download).

Oesterle, Hubert, Winter, Robert: Business Engineering. In Oesterle, Hubert, Winter Robert (Hrsg.): Business Engineering: Auf dem Weg zum Unternehmen des Informationszeitalter. 2. Auflage. Berlin u.a : Springer, 2003, S. 3-18.

Rohs, Matthias: Connected Learning – Zur Verbindung formellen und informellen Lernens in der IT-Weiterbildung. Saarbrücken : VDM Verlag, 2008.

Trude, Ellen; Sammer, Thomas: Die Vermittlung von Social-Media-Kompetenzen in einer Social-Media-Lernumgebung - Ein Erfahrungsbericht der Bayer AG. In: Trost, Armin; Jenewein, Thomas (Hrsg.): Personalentwicklung 2.0. Köln: Luchterhand, 2011, S. 147 - 163.

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Zuletzt bearbeitet: 06.10.2011 16:59
Letzter Abruf: 07.02.2012 21:57
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