ModellAus der Betriebswirtschaftslehre stammend hat sich in der Wirtschaftsinformatik ein zunächst abbildungsorientiertes Modellverständnis etabliert, das unter einem Modell eine strukturgleiche oder -ähnliche Abbildung eines realweltlichen Originals versteht, das zunehmend einem konstruktionsorientierten Verständnis weicht. Modellbegriffe und -artenModelle als AbbildungenDie sprachliche Beschreibung eines Gegenstandsbereiches kann als eine Abbildung dieses Bereiches auf ein Zeichensystem interpretiert werden. Sind Abbildung und Gegenstandsbereich strukturgleich oder strukturähnlich, so spricht man von einer isomorphen bzw. homomorphen Abbildung, die auch als Modell bezeichnet wird. Sprache ist somit ein mögliches Instrument zur Darstellung von Modellen, wobei die Art der Sprache die Art des Modelles beeinflusst. Nicht jegliche sprachliche Darstellung eines Gegenstandsbereiches hat jedoch Modellcharakter. Die Literatur kennt eine Vielzahl von Modellbegriffen und Abgrenzungsmöglichkeiten. Im Folgenden wird aufgrund des Bezugs zur Wirtschaftsinformatik zunächst vornehmlich auf betriebswirtschaftliche Grundlagen rekurriert. Wie erwähnt, ist der Vorgang der Abbildung wesentlich für die Modellbildung. Die Abbildungsfunktion einer Aussage allein kann jedoch nicht ausreichend sein, um von Modellbildung zu sprechen. Ansonsten würde bereits die Begriffsbildung eine einfache Form der Modellbildung darstellen. Kosiol fordert daher, von Modellen erst dann zu sprechen, "wenn es sich um zusammengesetzte Gedankengebilde handelt, die aus der Totalinterdependenz der Wirklichkeit abgegrenzte und übersehbare Teilzusammenhänge ausgliedern" [Kosiol 1961, S. 319]. Die Forderung nach zusammengesetzten Gedankengebilden schließt somit die Begriffsbildung als Form der Modellbildung aus. Wesentlich für die Modellbildung ist zudem der Begriff der Abstraktion, denn ein Modell stellt der Kosiol´schen Definition zufolge nur Teilzusammenhänge dar im Sinne einer Vereinfachung der darzustellenden Realität. Welche ihrer Eigenschaften bei der Modellierung weggelassen und welche besonders betont werden, also der Umfang der Abstraktion, wird bestimmt vom Zweck der Modellbildung. Allgemeiner Modellbegriff nach StachowiakEine bekannte Charakterisierung des Modellbegriffs, die die Zweckorientierung betont, geht auf Stachowiak zurück. Er führt drei Hauptmerkmale eines allgemeinen Modellbegriffs ein. Dies sind Abbildungs-, Verkürzungs- und Pragmatisches Merkmal. Das Abbildungsmerkmal bezieht sich auf das Modelloriginal. Der Aspekt des Verkürzungsmerkmals betont, dass Modelle nicht alle Eigenschaften des Originals abbilden, sondern nur eine Auswahl, die vom Modellierer und/oder vom Modellbenutzer (Modellsubjekt) abhängt. Erfolgt die Selektion dieser Eigenschaften nach operationalen Zielsetzungen der Benutzer und werden diese sowie die Zeiträume der Modellbenutzung miteinbezogen, so wird eine pragmatische Betrachtungsdimension erreicht. In diesem Sinne bezeichnet das pragmatische Merkmal des Modellbegriffs die Ersetzungsfunktion von Modellen bezüglich ihrer Originale, wobei die Ersetzung für bestimmte Subjekte (auch künstliche) innerhalb bestimmter Zeiträume und zu einem bestimmten Zweck erfolgt. Insgesamt sind Modelle folglich durch folgendes "Frage-Quadrupel" charakterisierbar: Wovon ? - Für wen ? - Wann ? - Wozu ? [Stachowiak 1974, S. 131-133]. AbbildungsmittelEine sehr grundlegende Unterscheidung von Modellarten ist diejenige nach dem Abbildungsmittel (siehe Abbildung 1), die sich auf die Art der benutzten Zeichen zurückführen lässt. Werden Zeichen verwendet, die ihrer äußeren Form nach eine anschaulich-bildliche Ähnlichkeit mit dem abgebildeten Objekt aufweisen (z.B. Bilder, Figuren, Gegenstände), so spricht man von (anschaulich-)ikonischen Modellen, die als Bildmodelle oder materiale Modelle (Gebildemodelle) vorkommen und zu den nicht-linguistischen Modellen gehören [Kosiol 1964, S. 754; Stachowiak 1974, S. 163]. Handelt es sich bei dem verwendeten Abbildungsmittel um Sprache, so geht es um sprachliche oder linguistische Modelle. Das einzelne Zeichen hat in solchen Modellen keine anschauliche Bedeutung; die Beziehung zum bezeichneten Gegenstand wird nicht über Ähnlichkeit hergestellt, sondern durch Festsetzung definiert. Linguistische Modelle können nach Art der verwendeten Sprache weiter gegliedert werden in verbale, logistische und mathematische Modelle sowie die von Stachowiak eingeführte Modellart der graphischen Darstellung, auch Darstellungsmodell genannt [Kosiol 1964, S. 754; Stachowiak 1974, S. 163, 165]. Darstellungsmodelle werden in Diagrammsprachen (auch visuelle Sprachen genannt) formuliert. In der Wirtschaftsinformatik sind nahezu ausschließlich linguistische Modelle von Bedeutung, insbesondere Darstellungsmodelle und verbale Modelle. |
