Grundmodell
"Nutzwertanalyse ist die Analyse einer Menge komplexer Handlungsalternativen mit dem Zweck, die Elemente dieser Menge entsprechend den Präferenzen des Entscheidungsträgers bezüglich eines multidimensionalen Zielsystems zu ordnen."
[Zangemeister 1976, S. 45]
Die Nutzwertanalyse unterstützt die Auswahl von Entscheidungsalternativen unter Sicherheit. Im deutschsprachigen Raum ist die von Zangemeister entwickelte Verfahrensweise verbreitet, die eine additive Nutzensynthese zugrunde legt [Zangemeister 1976, S. 55 ff.]. Der Nutzwert einer Alternative wird dabei als Summe der nach ihrer Relevanz gewichteten Teilnutzwerte berechnet (Abb. 1). Diese Teilnutzwerte drücken aus, wie gut eine Alternative ein Ziel des Bewertenden erfüllt. Zur Messung der Teilnutzwerte wird ein ordinales Skalenniveau verwendet [Zangemeister 2000, S. 122].

Abb. 1: Grundmodell der Nutzwertanalyse
Anwendungsbeispiel
Abb. 2 zeigt ein Beispiel zur Nutzwertanalyse bei der Auswahl eines Anwendungssystems für das Adressmanagement [Grob et al. 2004, S. 496]. Zur Auswahl stehen zwei Alternativen (A1, A2), für die aus den Oberkriterien Funktionalität, Ergonomie, Flexibilität und Services entsprechende Unterkriterien abgeleitet worden sind. Die Bewertung erfolgt auf einer Skala von 1 (geringe Zielerfüllung) bis 5 (hohe Zielerfüllung). Das Ergebnis zeigt, dass A2 die dominierende Alternative ist.

Abb. 2: Anwendungsbeispiel zur Nutzwertanalyse
Softwareunterstützung
Zur Unterstützung von Nutzwertanalysen steht eine Reihe von Softwareprodukten zur Verfügung. Diese gestatten nicht nur die Konstruktion nutzwertanalytischer Modelle, sondern bieten auch Berichts- und Visualisierungsfunktionen. Abb. 3 zeigt ein Diagramm, das mithilfe des kommerziellen Softwareprodukts CelsiEval erzeugt wurde.

Abb. 3: Beispiel zur Softwareunterstützung der Nutzwertanalyse
Kritik
Mit der Nutzwertanalyse kann eine vollständige Bewertung von Systemalternativen nach einer bestimmten Anzahl von Kriterien sichergestellt werden. Die Verdichtung dieser Partialbewertungen zu einer dimensionslosen Nutzenkennzahl als aggregierte Wertaussage ist jedoch aus formaler und inhaltlicher Perspektive zu kritisieren [Grob, Bensberg 2009, S. 50-54]. So werden ordinalskalierte Wertaussagen formal unzulässig als metrisch skalierte Daten behandelt. Außerdem geht die Nutzwertanalyse von einer vollständigen Kompensierbarkeit einzelner Eigenschaftsausprägungen aus, d. h. Defizite einer Alternative bei einem Kriterium können durch Übererfüllung bei einem anderen Kriterium ausgeglichen werden. Potenziell positive Eigenschaften der Nutzwertanalyse sind indes darin zu sehen, dass sie methodisch einfach umsetzbar ist und in der Unternehmenspraxis weite Verbreitung gefunden hat.
Literatur
Grob, Heinz Lothar ; Reepmeyer, Jan-Armin ; Bensberg, Frank: Einführung in die Wirtschaftsinformatik. München : Vahlen, 2004.
Grob, Heinz Lothar ; Bensberg, Frank: Controllingsysteme - Entscheidungstheoretische und informationstechnische Grundlagen. München : Vahlen, 2009.
Zangemeister, Christof: Nutzwertanalyse in der Systemtechnik. 4. Auflage. München : Wittemannsche Buchhandlung, 1976.
Zangemeister, Christof: Erweiterte Wirtschaftlichkeitsanalyse (EWA). Bremerhaven : Wirtschaftsverlag NW, 2000.