ZahlungsverkehrssystemZahlungsverkehrssysteme kommen zur Abwicklung der Zahlungsverpflichtungen zwischen Wirtschaftssubjekten zum Einsatz. Sie unterstützen mehrere Prozessschritte. Im Kern stehen die Interbanken-Zahlungsverkehrssysteme, die nach Abwicklungsmodus und –frequenz unterschieden werden. Die Europäische Zentralbank und die EBA stellen mehrere Arten zur Verfügung. BegriffsbestimmungZahlungsverkehrssysteme im weiteren Sinne sind Applikationen, welche die gesamte unbare Zahlungsprozesskette (Generierung, Übertragung, Clearing und Settlement, Verbuchung von Zahlungsaufträgen) unterstützen (vgl. Abb. 1). Sieht man von den vor- und nachgelagerten Prozessschritten ab, stehen im Kern die Systeme des Interbankenzahlungsverkehrs (Zahlungsverkehrssysteme im engeren Sinne). Die ZahlungsprozessketteNachdem durch den Austausch von Waren oder Dienstleistungen eine Schuld entstanden ist, erfolgt die Anweisung zur Übertragung von Zahlungsmitteln durch den Auftraggeber. Das Kreditinstitut des Auftraggebers kontrolliert die Zahlung und leitet sie an eine Abrechnungsstelle weiter. Diese sammelt nach einem festgelegten Schema mehrere Aufträge, nimmt zwischen den beteiligten Parteien das Clearing (gegenseitige Aufrechnung von Verbindlichkeiten) vor und stellt ihnen Mechanismen für das Settlement (abschließende Buchungen) zur Verfügung. Die Bank des Begünstigten (bei Überweisungen) bzw. des Zahlungspflichtigen (bei Lastschriften) verbucht die Zahlung auf dem Konto ihres Kunden. Die Information über die Zahlung erfolgt in Form von Umsatzinformationen und Kontoauszügen. Diese werden beleghaft (z. B. über einen Kontoauszugsdrucker) oder elektronisch an ein Electronic-Banking-System ausgeliefert.
Abb. 1: Zahlungsprozesskette und beteiligte Zahlungsverkehrssysteme Zahlungsverkehrssysteme im weiteren SinneFür die Generierung von Zahlungsaufträgen können an der Peripherie der Prozesskette kartenbasierte Zahlungssysteme, E-Payment-Systeme, Electronic-Banking-Systeme oder Selbstbedienungs-(SB-)Systeme zum Einsatz kommen. Daneben ist jedoch auch die beleghafte Einreichung von Zahlungsaufträgen möglich. Wenn Auftraggeber und Empfänger Konten bei unterschiedlichen Kreditinstituten führen, erfolgt die Verrechnung zwischen den Kreditinstituten über die Interbanken-Zahlungsverkehrssysteme (so genannte Zahlungsverkehrssysteme im engeren Sinne). Interbanken-ZahlungsverkehrssystemeUnterscheidung nach Abwicklungsmodi und -frequenzenNach dem Abwicklungsmodus unterscheidet die Finanzbranche Brutto- und Nettosysteme (vgl. Abb. 2). Erstere führen die Übertragung und Abwicklung der Mitteltransfers auf Basis einzelner Zahlungsanweisungen durch. Die Abwicklungsfrequenzen sind entweder kontinuierlich (RTGS: Real-Time Gross Settlement) oder zeitdiskret (DNS: Designated Time Net Settlement). Nettosysteme rechnen die bis zum Ende eines Zeittaktes aufgelaufenen gegenläufigen Zahlungspositionen der beteiligten Parteien auf (Netting). Die Zahlung erfolgt dann am Ende des Nettingzyklus. Die Abwicklungsfrequenz erfolgt somit immer zeitdiskret [Riedl 2001, S. 22-25]. |
