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Wissensarbeiter

Wissensarbeiter sind diejenigen Arbeiter, die nicht für ihre körperliche Arbeit und manuellen Fähigkeiten entlohnt werden, sondern für die Anwendung ihres erworbenen Wissens.

Wissensarbeiter (engl. "Knowledge Worker") ist ein Begriff, der 1959 von Peter Drucker in seinem Buch "The Landmarks of Tomorrow" in die Literatur eingeführt wurde und bezeichnet in seiner ursprünglichen Bedeutung diejenigen Arbeiter, die nicht für ihre körperliche Arbeit und manuellen Fähigkeiten bezahlt werden, sondern für die Anwendung ihres erworbenen Wissens [vgl. Drucker 2004, p. xvii].

Die von verschiedenen Forschern im Laufe der Zeit weiter elaborierten Definitionen von "Wissensarbeitern" [z. B. Schultz 2000, S. 5 ff.] sind ebenso mannigfaltig wie Angaben über den Anteil der Wissensarbeiter an der gesamten werktätigen Bevölkerung. Dennoch besteht schon seit den ersten Publikationen zu Wissesensarbeitern Einstimmigkeit darüber, dass Wissensarbeiter einen bedeutenden Anteil der heutigen Informations- und Wissensgesellsschaft ausmachen.

Eine der wesentlichen Aufgaben des modernen Wissensmanagements besteht daher darin, durch ein gezieltes Management der Wissensarbeiter in einem (Wissens-)Unternehmen [vgl. Nelson & Winter 1982; Nonaka & Takeuchi 1995] einen Produktivitätsvorteil zu erlangen. In diesem Kontext ist von besonderem Interesse, wie die Geschwindigkeit (engl. "velocity") und Viskosität (engl. "viscosity), d. h. die Reichhaltigkeit und Dichte des transferierten Wissens [vgl. Davenport & Prusak 1988], gesteigert werden können, wie implizites (engl. tacit) Wissen [vgl. Polanyi 1967] effizient vermittelt werden und wie das soziale Kapital [vgl. Bourdieu 1986] der Wissensarbeiter optimiert werden kann.

Hierzu werden in den letzten Jahren von Forschern der Wirtschaftsinformatik neben den traditionellen Instrumenten der Wissensorganisation (wie Groupware oder Wissensgemeinschaften) vermehrt auch Methoden der aus der Soziologie kommenden Analyse sozialer Netzwerke herangezogen [vgl. Wasserman & Faust 1994], die jedoch durch den Einsatz moderner Informationstechnologien erweitert werden, so dass eine Infrastruktur geschaffen wird, die es erlaubt, Rückschlüsse auf die Produktivität von Wissensarbeitern und effiziente Organisationsformen der Wissensarbeiter zu ziehen.

Literatur

Bourdieu, Pierre: The Forms of Capital. In: Richardson, John G. (Hrsg.): Handbook of Theory and Research for the Sociology of Education. New York: Greenwood Press, 1986, S. 241-258.

Davenport, Thomas H.; Prusak, Laurence: Working Knowledge: How Organizations Manage What they Know. Boston: Harvard Business School Press, 2000.

Drucker, Peter F.: Concept of the Corporation. 4. Auflage. New Brunswick: Transaction Publishers, 2004.

Drucker, Peter F.: Management - Tasks, Responsibilities, Practices. New Brunswick: Transaction Publishers, 2007.

Nelson, Richard R.; Winter, Sidney G.: An Evolutionary Theory of Economic Change. Cambridge, MA: The Belknap Press, 1982.

Nonaka, Ikujiro; Takeuchi, Hirotaka: The Knowledge-Creating Company - How Japanese Companies Create the Dynamics of Innovation. New York: Oxford University Press, 1995.

Polanyi, Michael: The Tacit Dimension. New York: Doubleday, 1967.

Schultze, Ulrike: A Confessional Account of an Ethnography about Knowledge Work. In: MIS Quarterly, 24(1), 2001, S. 3-41.

Wasserman, Stanley; Faust, Katherine: Social Network Analysis - Methods and Applications. New York: Cambridge University Press, 1994.

Autoren


 

Dr. Kai Fischbach, Seminar für Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement, Universität zu Köln, Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln

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Dr. Johannes Putzke, Universität zu Köln, Seminar für Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement, Pohligstr. 1, 50969 Köln

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Zuletzt bearbeitet: 25.10.2012 12:18
Letzter Abruf: 24.08.2016 19:45
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