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Soziales Netz

Der Begriff soziales Netzwerk bezeichnet die soziale Struktur, die zwischen menschlichen Akteuren mittels ihrer Interaktion entsteht. Die Methoden und Techniken, die in verschiedenen Disziplinen verwendet werden, um diese Strukturen aufzudecken und Rückschlüsse über die Funktion und Qualität der entsprechenden Netzwerke erlauben, werden gemeinhin unter dem Begriff Analyse sozialer Netzwerke (social network analysis, SNA) zusammengefasst

Bedeutung und Entwicklung

Der Begriff soziales Netzwerk bezeichnet die soziale Struktur, die zwischen menschlichen Akteuren mittels ihrer Interaktion entsteht. Die Methoden und Techniken, die in verschiedenen Disziplinen verwendet werden, um diese Strukturen aufzudecken und Rückschlüsse über die Funktion und Qualität der entsprechenden Netzwerke erlauben, werden gemeinhin unter dem Begriff Analyse sozialer Netzwerke (social network analysis, SNA) zusammengefasst [Wassermann, Faust 1994]. Welcher Typ von Interaktion betrachtet wird, ob die Akteure Individuen, Gruppen oder Organisationen sind, variiert in Abhängigkeit von Disziplin und Erkenntnisgegenstand. Auch nicht-menschliche Akteure und Netzwerkverbindungen, die nicht zwingend soziale Interaktion widerspiegeln, können mit Hilfe der Methoden der SNA analysiert werden. Ein Beispiel hierfür sind untereinander verlinkte Webseiten.

Die Wurzeln der SNA liegen in der Anthropologie, der Soziologie, Psychologie und Organisationstheorie. Einen großen Beitrag zur allgemeinen Wahrnehmung sozialer Netzwerke haben in letzter Zeit Social Networking Plattformen im Internet (z. B. LinkedIn, Facebook, Xing oder StudiVZ) geleistet, die umgangssprachlich auch als soziale Netzwerke bezeichnet werden, obwohl es sich im engeren Sinne um „Social Networking Plattformen“ handelt.

Während die genannten Disziplinen die Analyse sozialer Netzwerke zum Teil seit mehr als sechs Jahrzehnten zum Gegenstand haben, wird die SNA erst in jüngerer Zeit für die betriebswirtschaftliche und wirtschaftsinformatorische Forschung und Praxis eingesetzt. Ein Faktor hierfür ist, dass die Wirtschaftsinformatik zunehmend Werkzeuge und Methoden zur Verfügung stellt mit deren Hilfe soziale Interaktion mittels elektronischer Kommunikationsmedien (wie E-Mail, Chat / Instant Messaging, Telefon / VoIP,) vergleichsweise einfach − beispielsweise auf Grundlage geeigneter Log-Dateien − und in einem potentiell repräsentativen Rahmen erfasst und analysiert werden kann.

Anwendungsbereiche der SNA

Die (Netzwerk-)Perspektive sowie die eingesetzten Methoden der SNA haben ein weit gefächertes Anwendungsspektrum. Für die Wirtschaftsinformatik sind insbesondere Anwendungsszenarien der SNA im Unternehmenskontext von Interesse: Ungeachtet der formalen Organisationsstruktur eines Unternehmens bilden soziale Netzwerke die informelle Infrastruktur, über die sich die Mitarbeiter Ressourcen wie Informationen, Ideen, Kapital, Einfluss bis hin zu Vertrauen, Hilfs- und Kooperationsbereitschaft verschaffen. Die Struktur der Netzwerke ist dabei maßgeblich dafür, in welcher Menge und Geschwindigkeit diese Ressourcen beschafft werden können. Soziale Netzwerke sind die Grundlage für das soziale Kapital eines Unternehmens (i. S. v. strukturellem Kapital) und haben einen Einfluss sowohl auf einzelne Mitarbeiter (z. B. Motivation, Karrierechancen oder Führungsqualifikation) als auch auf das Gesamtunternehmen (z. B. wirtschaftliche Performanz oder Innovationsfähigkeit).

Mit Hilfe der SNA können Teams besser im Hinblick auf das Interaktionsverhalten der Mitarbeiter gebildet und unterstützt werden. Als Projekt-Controlling-Werkzeug eingesetzt lassen sich so frühzeitig Kommunikationsengpässe erkennen und umgehen. Die Überlastung einzelner Mitarbeiter kann verhindert werden. Auch beim Wissensmanagement kann die SNA wertvolle Hilfestellung bieten, wenn es z. B. darum geht, die wichtigen Träger impliziten Wissens im Unternehmen zu identifizieren oder Wissenslandkarten über das Unternehmen zu beschreiben. Korrelate von zumeist graphentheoretisch formulierten Strukturvariablen mit Eigenschaften der Netzwerknoten („Akteure“, im Falle von Organisationsmitgliedern etwa deren Innovationsfähigkeit, Performanz, Motivation, Arbeitszufriedenheit etc.) führen zu einem besseren Verständnis von (informellen) Kommunikationsstrukturen in Unternehmen und erlauben Hinweise auf etwaige, gelenkte Beeinflussung dieser Netzwerkstrukturen.

Literatur

Borgatti, Stephen; Foster, Pacey: The Network Paradigm in Organizational Research: A Review and Typology. Journal of Management: 2003, 29(6), S. 991 - 1013.

Carrington, Peter J.; Scott, John; Wasserman, Stanley (Hrsg.): Models and Methods in Social Network Analysis. Cambridge University Press, Cambridge 2005.

Cross, Rob; Parker, Andrew: The Hidden Power of Social Networks: Understanding How Work Really Gets Done in Organizations. Harvard Business School Press: Boston 2004.

Wasserman, Stanley; Faust, Katherine: Social Network Analysis: Methods and Applications. 13. Auflage, Cambridge University Press: New York 2005.

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Zuletzt bearbeitet: 16.09.2009 12:15
Letzter Abruf: 07.02.2012 21:37
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