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Informationsbedarf

Entscheidungsprozesse basieren auf Informationen. Welche Informationen konkret für eine Entscheidung zur Verfügung gestellt werden müssen, wird durch den Informationsbedarf bestimmt. Er wird durch die Person oder Gruppe von Personen definiert, die die Entscheidungen treffen.

Begriff des Informationsbedarfs

Eine fundierte Entscheidung erfordert die richtigen Informationen. Der Informationsbedarf ist durch die Art, Menge und Beschaffenheit der Informationen charakterisiert, auf dessen Grundlage eine Entscheidung getroffen wird. Wie der Informationsbedarf genau definiert ist, wird einerseits durch den Entscheider, aber andererseits auch durch die Anforderung bezüglich der zu treffenden Entscheidung festgelegt. Damit kann grundsätzlich zwischen zwei Kategorien von Informationsbedarf unterschieden werden [Picot et al. 2003, S. 81-82]:

  • Objektiver Informationsbedarf: Er wird primär durch die Entscheidung festgelegt und basiert auf den Kontextfaktoren (z. B. Marktgegebenheiten, Aufgabenbeschreibung des Entscheiders) der Entscheidung.
  • Subjektiver Informationsbedarf: Er wird primär durch den Entscheider festgelegt und basiert auf den individuellen Präferenzen und Einschätzungen, welche Information für die Entscheidung, aus seiner Sicht, relevant ist. Darüber hinaus wird sie beispielsweise durch Erfahrungen und Ausbildung bzw. der Sozialisierung des Entscheiders mitbestimmt.

 Informationsbedarf

Abb. 1: Vom Informationsbedarf zum Informationsstand

Für die Lösung eines spezifischen Entscheidungsproblems wird in der Regel nicht der gesamte existierende Informationsbedarf formuliert, sondern lediglich ein Teilbereich. Damit entsteht eine Informationsnachfrage, die diesen Teilausschnitt des Informationsbedarfs repräsentiert. Die Deckung der Informationsnachfrage hat einen spezifischen Informationsstand des Entscheiders zum Ergebnis. Wie vollständig die Informationsnachfrage befriedigt werden kann, hängt wiederum maßgeblich von dem Informationsangebot ab. Der Informationsbedarf legt aber nicht nur die Beschaffenheit der Informationen fest, die es zu liefern gilt, sondern ebenfalls den Zeitpunkt der Lieferung, den Ort sowie das Medium, über das geliefert werden soll.

Definition des Informationsbedarfs

Die Definition des Informationsbedarfs, als Basis für die Informationsnachfrage, erfolgt auf Grundlage der Informationsbedarfsanalyse. Um den Informationsbedarf zu systematisieren und dokumentieren, können verschiedene Parameter abgefragt werden. Sinnvolle Parameter sind beispielsweise: Adressat, Zielsetzung der Entscheidung, Art der Information (z. B. aggregierte Information), Qualität der Information (z. B. Schätzwerte), Menge (z. B. Vollständigkeit), Sicht (z. B. buchhalterische Werte oder Marktwerte), Zeitpunkt oder Zeitraum der Lieferung, Ort und Medium. Diese Parameter liefern eine vollständige Beschreibung des Informationsbedarfs und definieren somit gleichzeitig das Profil des Entscheiders. Der Informationsbedarf sollte durch ein strukturiertes Vorgehen ermittelt werden. Die Phasen dieses Vorgehens könnten beispielsweise untergliedert werden in: Definition des Entscheidungsproblems, Informationsbedarfsanalyse, Informationserhebung, Informationsbewertung und Informationsnutzung [z. B. Voß, Gutenschwager 2001, S. 129 ff.; Heinrich, Lutz 2011, S. 418 ff.].

Literatur

Heinrich, Lutz J.; Stelzer, Dirk: Informationsmanagement: Grundlagen, Aufgaben, Methoden. 10 Aufl., Oldenbourg: München 2011.

Picot, Arnold; Reichwald, Ralf; Wigand, Rolf: Die grenzenlose Unternehmung. 5. Aufl., Gabler: Wiesbaden 2003.

Voß, Stefan; Gutenschwager, Klaus: Informationsmanagement. Springer: Berlin et al., 2001.

Autor


 

Univ.-Prof. Dr. Ulrike Baumöl

 

Prof. Dr. Ulrike Baumöl, FernUniversität in Hagen, Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbes. Informationsmanagement, Universitätsstraße 41, 58097 Hagen

Autoreninfo

 
Zuletzt bearbeitet: 13.10.2014 10:11
Letzter Abruf: 24.03.2017 05:10
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