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Digitale Arbeit

Alle Tätigkeiten, die Leistungen unter signifikantem Einsatz von digitalen Arbeitsmitteln erstellen. Bei digitaler Erwerbsarbeits handelt es sich um digitale Arbeit im Rahmen der Existenzsicherung und des Einkommenserwerbs [Durward et al. 2016]. Letztere steht hier im Fokus.

Historische Einordnung

Nach der 1. Industriellen Revolution (mechanische Produktionsanlagen mit Hilfe von Dampf- und Wasserkraft), der 2. Industriellen Revolution (Einführung arbeitsteiliger Massenproduktion mit Hilfe von elektrischer Energie) und der 3. Industriellen Revolution (Einsatz von Elektronik und IT zur weiteren Automatisierung der Produktion) [Picot 2013] bezeichnet der Begriff „4. Industrielle Revolution“ die rasante Veränderung der Arbeitswelt auf Grund der fortschreitenden, umfassenden Digitalisierung. In diesem Kontext wird auch von „Arbeit 4.0“, „Industrie 4.0“, o.ä. gesprochen. Diese fortschreitende Digitalisierung hat das Potenzial, die Arbeitswelt der Zukunft grundlegend und nachhaltig zu verändern.

Arten digitaler Arbeit

Das Plattformmodell hat sich im Wettbewerb in der Digitalen Wirtschaft als dominantes digitales Wettbewerbsmodell etabliert; bereits 10 der 20 größten Unternehmen der Welt (vor allem) in Konsum-entenmärkten bauen auf dieses Modell (Kollmann und Schmidt 2016). Bezahlte digitale Arbeit kann daher in plattformbasierte (oftmals wird hier auch von „Plattformökonomie“ gesprochen/Schmidt 2016) und nicht-plattformbasierte Arbeit unterschieden werden (siehe auch Mrass et al. 2017):

 

1. Plattformbasiert:

Unter diese Kategorie fallen Crowdworking-Plattformen, Handelsplattformen und Sharing-Plattformen.

  • Crowdworking-Plattformen

Allgemein handelt es sich hierbei um elektronische Plattformen, denen das Prinzip der Nutzung der „Weisheit der Massen“ (Surowiecki 2004) zugrunde liegt. Es kann sich dabei um externe oder interne Crowdworking-Plattformen handeln (Durward et al. 2016). Externe Crowdworking-Plattformen als Intermediäre ermöglichen den Austausch zwischen Arbeitsanbietern und Arbeitssuchenden und können in folgende Plattform-Arten unterteilt werden (Mrass und Peters 2017): Content-/Texterstellung (es werden Beiträge und Texte für Online- und Print erstellt), Design (hier stehen Gestaltungs-Aufgaben im Vordergrund), Innovation (die jeweilige Plattform erbringt Innovations-Unterstützungsleistungen), Marktplatz (es erfolgt eine Vermittlung von Angebot und Nachfrage zu einem recht heterogenen Feld an Dienstleistungen), Mikrotask (im Mittelpunkt stehen kleinere Aufgaben, die jedoch „menschliche Intelligenz“ benötigen und gegenwärtig nicht von Computern erledigt werden können), Testing (Nutzer testen Geräten, Software oder andere Anwendungen) und Kundenberatung/Marktforschung/Vertrieb (es erfolgen Beratungs- und Vertriebsleistungen rund um Produkte und Services beziehungsweise die Erbringung von Marktforschungsleistungen).

  • Handelsplattformen

Handelsplattformen sind Intermediäre, deren Geschäftsmodell die Erbringung von Handels- und Vertriebsleistungen zum Inhalt hat. Es können B2B-Plattformen, die den Leistungsaustausch zwischen Unternehmen, B2C-Plattformen, die den Leistungsaustausch zwischen Unternehmen und Konsumenten sowie C2C-Plattformen, die den Leistungsaustausch zwischen Konsumenten ermöglichen, unterschieden werden. 

  • Sharing-Plattformen

Bei diesen Plattformen (oftmals wird in diesem Zusammenhang auch von „Gig“- oder „Sharing-Economy“ gesprochen) erfolgt der Leistungsaustausch von Gütern, die meist in der „analogen“ Welt erzeugt und durch „teilen“ ohnehin vorhandener Ressourcen erbracht werden. Diese Plattformen können mittels der drei gegenwärtigen Hauptbereiche eingeteilt werden, in denen Sharing-Plattformen zum Einsatz kommen: Gastgewerbe, haushaltsnahe Leistungen und Transportdienstleistungen. 

2. Nicht-plattformbasiert:

Digitale Arbeit, die nicht-plattformbasiert erfolgt, kann anhand der eingesetzten „Arbeitsmittel“ in vier Hauptkategorien eingeteilt werden (Mrass et al. 2017): Geräte, Maschinen/Roboter, Mobilitäts-Vehikel und Künstliche Intelligenz: 

  • Geräte 

In diese Kategorie fallen bereits seit vielen Jahren im betrieblichen Umfeld eingesetzte Geräte wie Notebooks, Personal Computer und Workstations, aber auch erst schwerpunktmäßig im letzten Jahrzehnt als Arbeitsmittel eingesetzte Geräte wie Smartphones, Tablets, und Wearables. 

  • Maschinen/Roboter

Hierzu gehören Automaten (z.B. ATM’s), Roboter (z.B. Greifarmroboter), Fließbänder (beispielsweise in der Automobilproduktion) und 3D-Drucker.

  • Mobilitäts-Vehikel

Autonome, selbstfahrende Autos, ohne „Lokführer“ o.ä. operierende öffentliche Transportsysteme und als Lieferungssysteme eingesetzte Drohnen fallen in diese Kategorie der Mobilitäts-Vehikel. Diese Arbeitsmittel befinden sich gegenwärtig meist noch in der Entwicklungs- oder Erprobungsphase und sind nur selten (z.B. Terminal-Verbindungs-Züge in Flughäfen oder autonome Transport-Containerwägen auf Häfen) bereits regulär im Einsatz.

  • Künstliche Intelligenz

Diese Kategorie kann anhand der Arbeitsmittel in Androiden (beispielsweise menschenähnliche „Empfangsdamen“ in Hotels), Bots (u.a. in der Kundenkommunikation bei Mobilfunkunternehmen), Data Mining (z.B. zur Identifikation von Trends), Entscheidungs-Algorithmen (z.B. bei Investmententscheidungen im Finanzbereich) und Supercomputer (z.B. IBM Watson) eingeteilt werden. Sie alle haben das Ziel gemeinsam, menschliche Intelligenz abzubilden beziehungsweise zu simulieren.

Weitere Unterteilungen

Neben der Unterteilung in plattformbasiert und nicht-plattformbasiert sind weitere Unterteilungen digitaler Arbeit möglich: Beispielsweise danach, ob die Erbringung digitaler Arbeit stationär oder mobil erfolgt; ob es sich bei der Automatisierung um eine „normale“ Automatisierung oder um Automatisierung menschenähnlichen intelligenten Verhaltens (künstliche Intelligenz) handelt oder ob das „Werkzeug“ selbst bereits digitaler Natur ist oder (nur) das hergestellte Gut.

Zukunftsprognosen

Die Auswirkungen der zunehmenden Digitalisierung der Arbeit auf die Beschäftigungslage sind in den letzten Jahren Gegenstand von Publikationen mit unter-schiedlichen Zielrichtungen bezogen auf die Einschätzung der Zukunft. Zu nennen sind insbesondere die Studie von Frey und Osborne (2013) über die „Anfälligkeit“ von Jobs für Automatisierung, die Veröffentlichungen von Brynjolfsson und McAfee (2011) zum ‚Konkurrenzverhältnis‘ von Menschen und Maschinen sowie von Ford (2015) über den wachsenden Einfluss von Robotern in der Arbeitswelt. Ebenso haben gesellschaftliche Institutionen wie Gewerkschaften und Stiftungen Publikationen hierzu herausgegeben (z.B. Schwemmle und Wedde 2012). Gleichwohl sich viele Publikationen mit den Auswirkungen der Digitalisierung der Arbeit für Individuen, Gesellschaft und Unternehmen beschäftigen, sind systematische Übersichten digitaler Arbeit rar (siehe auch Mrass et al. 2017).

Literatur

Brynjolfsson, Erik; McAfee, Andrew (2011): Race against the machine. How the digital revolution is accelerating innovation, driving productivity, and irreversibly transforming employment and the economy. Lexington, Mass.: Digital Frontier Press.

Durward, David; Blohm, Ivo; Leimeister, Jan Marco (2016): Crowd Work. In: Business & Information Systems Engineering 58 (4), S. 281–286.

Ford, Martin (2015): Rise of the Robots. Technology and the Threat of a Jobless Future. New York: Basic Books. Online verfügbar unter http://gbv.eblib.com/patron/FullRecord.aspx?p=1948747.

Frey, Carl Benedikt; Osborne, Michael A. (2013): The Future Of Employment: How Susceptible Are Jobs To Computerisation? In: Oxford Martin School Publications.

Kollmann, Tobias; Schmidt, Holger (2016): Deutschland 4.0. Wie die Digitale Transformation gelingt. Wiesbaden: Springer Gabler.

Leimeister, Jan Marco; Zogaj, Shkodran; Durward, David; Blohm, Ivo (2016): Systematisierung und Analyse von Crowdsourcinganbietern und Crowdworkprojekten. Hg. v. Hans-Böckler-Stiftung. Düsseldorf (324), zuletzt geprüft am 13.06.2016.

Mrass, Volkmar; Li, Mahei Manhai; Peters, Christoph (2017): Towards a Taxonomy of Digital Work. In: 25. European Conference on Information Systems (ECIS), Guimarães, Portugal, 2017, S. 2515–2524.

Mrass, Volkmar; Peters, Christoph (2017): Crowdworking-Plattformen in Deutschland. Hg. v. Jan Marco Leimeister. University of Kassel. Kassel (Working Paper Series, 16).

Picot, Arnold (Hg.) (2013): Die Zukunft der Arbeit in der digitalen Welt. Münchner Kreis - Übernationale Vereinigung für Kommunikationsforschung e.V. München.

Schmidt, Florian A. (2016): Arbeitsmärkte in der Plattformökonomie. Zur Funktionsweise und den Herausforderungen von Crowdwork und Gigwork. Hg. v. Friedrich-Ebert-Stiftung, Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik. Bonn. Online verfügbar unter http://library.fes.de/pdf-files/wiso/12826.pdf, zuletzt geprüft am 10.10.2016.

Schwemmle, Michael; Wedde, Peter (2012): Digitale Arbeit in Deutschland: Potenziale und Problemlagen. Hg. v. Friedrich-Ebert-Stiftung. Bonn (978-3- 86498-214-9).

Surowiecki, James (2004): The wisdom of crowds. Why the many are smarter than the few and how collective wisdom shapes business, economies, societies, and nations. 1st ed. New York: Doubleday.

 

Autor


 

Universität St. Gallen, Institut für Wirtschaftsinformatik, Unterer Graben 21, 9000 St. Gallen; Universität Kassel, Wissenschaftliches Zentrum für IT-Gestaltung (ITeG), Pfannkuchstraße 1, 34121 Kassel

Autoreninfo


Zuletzt bearbeitet: 12.01.2018 16:49
Letzter Abruf: 15.12.2018 10:38
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