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E-Entrepreneurship

Moderne Informationstechnologien haben einen signifikanten Einfluss auf die vielfältigen Möglichkeiten für digitale Geschäftsmodelle basierend auf elektronischen Informations- und Kommunikationsnetzwerken, woraus innovative digitale Start-Ups (E-Ventures) entstehen. E Entrepreneurship beschreibt diesen Prozess der Unternehmensgründung in der Digitalen Wirtschaft.

Begriff

Unter „E-Entrepreneurship“ wird die Schaffung einer selbständigen und originären rechtlichen Wirtschaftseinheit in der Digitalen Wirtschaft (E-Venture) verstanden, innerhalb der die selbständige(n) Gründerperson(en) mit einem spezifischen Online-Angebot (Produkt bzw. Dienstleistung) einen fremden Bedarf decken möchte(n).

Elektronische Wertschöpfung als Kernprozess

"Informationen können heutzutage als eigenständiger Produktionsfaktor und somit Quelle von Wettbewerbsvorteilen angesehen werden (…)"

Informationen können heutzutage als eigenständiger Produktionsfaktor und somit Quelle von Wettbewerbsvorteilen angesehen werden, wodurch die Verarbeitung von Informationen eine Grundlage für unternehmerische Bestrebungen in der Digitalen Wirtschaft liefert. Damit fungieren die elektronische Wertschöpfungskette (s. Abb. 1) und die wertorientierte Verarbeitung von Informationen als Ausgangsbasis für jedes Unternehmen in der Digitalen Wirtschaft [Kollmann 2019a, S. 59, Weiber, Kollmann 1998]. Die elektronische Wertschöpfungskette in der Digitalen Wirtschaft unterscheidet sich insofern von dem klassischen Modell der physischen Wertschöpfungskette nach Porter [1992] und rückt vielmehr den sogenannten Informationsdreisprung, also die Informationssammlung, -verarbeitung und -übertragung, in den Mittelpunkt des E-Entrepreneurships.

Abbildung 1

Abb. 1: Die elektronische Wertschöpfungskette in der Digitalen Wirtschaft

Dies ermöglicht E-Ventures die Entwicklung einer Vielzahl an neuartigen elektronischen Geschäftsmodellen in der Digitalen Wirtschaft als Resultat des E-Entrepreneurships [Kollmann, Hensellek, 2016].

Besonderheiten der Unternehmensgründung in der Digitalen Wirtschaft

Zur Abgrenzung von E-Entrepreneurship und den daraus resultierenden E-Ventures gegenüber klassischen Unternehmensgründungen, können sowohl in der Realwirtschaft als auch in der Digitalen Wirtschaft vier zentrale Merkmale einer Unternehmensgründung identifiziert werden, wobei deren Ausprägungen in der Digitalen Wirtschaft wie folgt vorliegen (s. Abb. 2):

    • Gründungstyp: Eine Unternehmensgründung in der Digitalen Wirtschaft ist zumeist originär, selbstständig und innovativ.
    • Gründungsumfeld: Diese Unternehmensgründung ist durch ein enormes Wachstumspotenzial sowie gleichzeitige Unsicherheit hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung gekennzeichnet, was sich oftmals auch in einer (Wachstums-)Finanzierung mittels Wagniskapital (z. B. Venture Capital) ausdrückt.
    • Gründungsbezug: Eine Gründung in der Digitalen Wirtschaft bezieht sich auf eine Gründungsidee, welche durch innovative Informationstechnologie ermöglicht wird und sich innerhalb der Informationsökonomie im weiteren und der Netzwerkökonomie in engeren Sinn bewegt.
    • Gründungsbasis: Eine solche Gründung basiert auf dem Konzept der elektronische Wertschöpfung (E-Wertschöpfung) sowie mindestens einer der fünf elektronischen Plattformen (E-Plattformen: E-Procurement, E-Shop, E-Marketplace, E-Community, E-Company) und wird mittels elektronischen Managementprozessen (E-Management) betrieben.

    Abbildung 2

    Abb. 2: Besonderheiten der Unternehmensgründung in der Digitalen Wirtschaft

    Literatur

    Kollmann, Tobias: E-Business: Grundlagen elektronischer Geschäftsprozesse in der Digitalen Wirtschaft. 7. Aufl. Wiesbaden : Springer Gabler, 2019a.

    Kollmann, Tobias: E-Entrepreneurship: Grundlagen der Unternehmensgründung in der Digitalen Wirtschaft. 7. Aufl. Wiesbaden . Springer Gabler, 2019b.

    Kollmann, Tobias ; Hensellek, Simon: Die Basisarchitektur digitaler Geschäftsmodelle. In: Leukert, Bernd ; Gläß, Rainer (Hrsg.), Handel 4.0: Die Digitalisierung des Handels. Strategien, Technologien, Transformation, Heidelberg : Springer, 2016.

    Porter, Michael E.: Wettbewerbsvorteile, Frankfurt a. M. : Campus Verlag, 1992.

    Weiber, Rolf ; Kollmann, Tobias: Competitive Advantages in Virtual Markets – Perspectives of „Information-based-Marketing“ in Cyberspace. In: European Journal of Marketing 32 (1998), Nr. 7/8, S. 603-615.

      Autor


       

      Univ.-Prof. Dr. Tobias Kollmann, Lehrstuhl für E-Business und E-Entrepreneurship, Universität Duisburg-Essen, Campus Essen, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Universitätsstr. 9, D-45141 Essen

      Autoreninfo


      Zuletzt bearbeitet: 27.02.2019 15:46
      Letzter Abruf: 20.06.2019 12:08
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