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Globally Distributed Software Development

Global verteilte Software-Entwicklung bezeichnet den Entwicklungsprozess von Informationssystemen im globalen Kontext an weltweit verteilten Standorten.

Globally Distributed Software Development (Global verteilte Software-Entwicklung)

Global verteilte Software-Entwicklung umfasst Entwicklungs- und Managementprozesse für Informationssysteme, die global verteilt entwickelt werden. Der Begriff bezieht sich vorwiegend auf Standorte im Entwicklungsprozess, während sich der verwandte Begriff globaler Informationssysteme eher auf den Nutzungsstandort bezieht. Durch die geographische Verteilung ergeben sich Einflussfaktoren, die sich von geographisch begrenzten Systemen unterscheiden:

  • Kultur: Kulturelle Unterschiede sind ein maßgeblicher Einflussfaktor für verteilte Entwicklungsprozesse. Aufgrund unterschiedlicher Werte, Normen oder Handlungsweisen kommt es zu Problemsituationen zwischen Mitarbeitern und Organisationen. Analyse und Maßnahmen zu kulturellen Einflussfaktoren der beteiligten Regionen und Organisationen sind ein kritischer Bestandteil eines erfolgreichen Entwicklungsprozesses.
  • Koordination und Kommunikation: Die Koordination global verteilter Entwicklerteams umfasst verschiedene Problemstellungen und entsprechende Maßnahmen [vgl. Garton & Wegryn 2006]. In der Planung ist etwa zu klären, wie Spezifikationen, Übergabezeitpunkte und Zwischenergebnisse gestaltet werden. Dabei ist zu beachten, dass diese Prozesse kulturabhängig sind. Ebenso kann es durch unterschiedliche Kommunikationsstrategien, -wege und –auffassungen zu schwerwiegenden Problemsituationen kommen.
  • Kompetenzen: Die Arbeit in global verteilten Teams erfordert hinsichtlich Management, Koordination und Kommunikation neue Kompetenzen der Mitarbeiter. Dies umfasst insbesondere interkulturelle Kompetenzen wie auch die Nutzung elektronischer Kommunikations- und Kollaborationsanwendungen.
  • Wissensmanagement: Identifikation, Austausch und Erhaltung von Wissen werden in geographisch verteilten Teams wesentlich komplexer, so dass zusätzliche organisatorische und technische Lösungen notwendig sind [vgl. Holden 2002].

Lösungsansätze

Entwicklung und Management im globalen Kontext unterscheiden sich von lokal begrenzten Entwicklungsprozessen. Es werden verschiedene Ansätze verfolgt, die sich insbesondere auf die Prozessgestaltung, die technische Infrastruktur und das Systemdesign beziehen.

  • Geographische Verteilung und kulturelle Einflussfaktoren erfordern zusätzliche oder modifizierte Entwicklungsprozesse. In der Prozessgestaltung sind daher weitere Anforderungen zu berücksichtigen.
  • Kulturanalyse: Ein Prozess der Kulturanalyse ist sowohl für Entwicklungs- wie auch Nutzungsprozesse zwingend notwendig. Ergebnis einer solchen Analyse sind kurlturelle Charakteristika und daraus abgeleitete Systemanforderungen z.B. hinsichtlich der Geschäftsprozesslogik, der Benutzeroberfläche sowie der Anforderungen und Kompetenzen beteiligter Aktoren.
  • Projektmanagement und Koordination: Die Arbeit in verteilten Entwicklerteams bedarf zusätzlicher Management- und insbesondere Kommunikations- und Koordinationstechniken. So muss etwa das Projektmanagement zusätzliche Aspekte und Prozesse einbeziehen, da die Prozesse an unterschiedlichen Standorten bearbeitet werden. Dies bedeutet zusätzliche Anforderungen an Projektmanager wie z.B. bei der Auswahl der Standorte, der Koordination oder der Steuerung der Prozesse. So ist etwa zu klären, in welcher Form und zu welchen Zeitpunkten Spezifikationen und (Zwischen-)Ergebnisse koordiniert und abgestimmt werden.
  • Risikomanagement: In global verteilten Szenarien treten zusätzliche Problemstellungen auf (wie etwa Kommunikationsmissverständnisse, Nichteinhaltung von Terminen, abweichende Umsetzungen vereinbarter Entwicklungsschritte). Um auf derartige Situationen reagieren zu können, muss ein umfassendes Risikomanagement und eine entsprechende Budgetplanung erfolgen.
  • Technische Architektur, Integration und Unterstützung: Die technische Infrastruktur entspricht im Regelfall der Gestaltung verteilter Systeme bzw. Architekturen. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf der Integration existierender Systeme sowie die Gestaltung und Nutzung kollaborativer Systeme. Zusätzlich sollten Unterstützungssysteme (etwa zur Unterstützung von Management, verteilter Gruppenarbeit und Wissensmanagement) zur Verfügung gestellt werden.
  • Internationalisierung und Lokalisierung: Die Gestaltung global eingesetzter Systeme erfordert verschiedene Designentscheidungen. Die Strategie der Internationalisierung bezeichnet dabei, dass Systeme so gestaltet werden, dass sie an unterschiedliche Anforderungen anpassbar sind (etwa durch die Anpassung der Prozesslogik). Die Lokalisierung bezeichnet den Anpassungsprozess an spezifische Anforderungen selbst.  

Fazit

Ein global verteilter Entwicklungsprozess umfasst eine Vielzahl von Prozess- und damit verbundenen Designentscheidungen. Die Komplexität verteilter Entwicklungs- und Nutzungsszenarien bedarf einer klaren Planung und sollte insbesondere kulturelle und human-orientierte Aspekte einbeziehen.

Literatur

Holden, Nigel: Cross-Cultural Management – A Knowledge Management Perspective. Harlow: Prentice Hall, 2002.

Garton, Colleen; Wegryn, Kevin: Managing Without Walls: Maximize Success with Virtual, Global, and Cross - Cultural Teams. MC Press, US, 2006.

Autor


 

Prof. Dr. Jan M. Pawlowski, University of Jyväskylä, Information Technology Research Institute, Department of Computer Science and Information Systems, Mattillanniemi 2, 40014 University of Jyväskylä Finland

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Zuletzt bearbeitet: 28.09.2013 19:51
Letzter Abruf: 19.12.2014 17:26
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