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Open Data

Bei Open Data handelt es sich um Datenbestände, die für jedermann frei verfügbar sind und keinerlei Einschränkungen bezüglich ihrer Verwendung, Weiterverbreitung und Modifikation unterliegen.

Definition

Der Begriff Open Data ist vielschichtig und kann in verschiedenen Kontexten unterschiedlich ausgelegt werden. Als maßgeblich für die Begriffsbestimmung von Offenheit sehen die meisten Autoren die Definition von Open Knowledge International (ehemals Open Knowledge Foundation) an, einer gemeinnützigen Organisation mit dem Ziel, weltweit Wissen frei zugänglich zu machen. Demnach handelt es sich bei Open Data um Datenbestände, die für jedermann frei verfügbar sind und keinerlei Einschränkungen bezüglich ihrer Verwendung, Weiterverbreitung und Modifikation unterliegen. Die Offenheit der Daten darf dabei nur durch Maßnahmen eingeschränkt werden, die die Herkunft der Daten kenntlich machen und/oder deren Weiterverbreitung unter gleichen Bedingungen sicherstellen. Open Data können aus allen Bereichen, vornehmlich Privatwirtschaft, Wissenschaft oder öffentlichem Sektor, stammen. Typische Beispiele sind Wetter-, Verkehrs- oder Gesundheitsdaten (vgl. Kategorien auf der deutschen Open-Data-Plattform GOVDATA).

Der abstrakte Begriff der Offenheit lässt sich in Bezug auf Open Data differenzieren [Lindman, Rossi, Tuunainen 2013, S. 1241]. Technische Offenheit adressiert die Verwendung von Standards und Schnittstellen. In der Regel werden Open Data auf Plattformen über das Internet zur Verfügung gestellt, wobei möglichst offene Datenformate verwendet und die Maschinenlesbarkeit der Daten gewährleistet werden sollen. Weiterhin sollen keine Barrieren, wie etwa Passwörter oder die Notwendigkeit einer Registrierung, den Zugriff auf die Daten einschränken. Die rechtliche Offenheit bezieht sich vor allem auf die Verwendung von offenen Lizenzen (z.B. Open Data Commons). Grundsätzlich sollen die bereitgestellten Daten zur Gewährleistung ihrer uneingeschränkten Verwendung frei von Urheberrechten sein. Ein besonderes Augenmerk ist in diesem Zusammenhang auf den Schutz personenbezogener Daten zu legen [Janssen, Charalabidis, Zuiderwijk 2012, S. 264f.]. Kommerzielle Offenheit liegt vor, wenn Open Data kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, wenngleich vereinzelt auch eine geringe Gebühr zur Deckung der Datenbereitstellungskosten erhoben wird.

Historie und Abgrenzung

Open Data hat seinen Ursprung im seit Ende der 1990er Jahre zunehmend populären Ansatz von Open Source Software sowie im Bereich Open Innovation [Lindman, Rossi, Tuunainen 2013, S. 1241]. Aufbauend auf der Open-Source-Bewegung existiert eine Vielzahl verwandter Initiativen (z.B. Open Content, Open Access und Open Education), welche sich in ihrer Ausrichtung ebenfalls an den Zielen von Open Knowledge International orientieren.

Seit Ende der 2000er Jahre forcieren Regierungen weltweit die Öffnung der staatlichen Verwaltung gegenüber der Bevölkerung, um Wachstum anzuregen und Transparenz herzustellen. Open Government Data bezeichnet in diesem Zusammenhang die Veröffentlichung von Daten durch Staat und Verwaltung [Jetzek, Avital, Bjorn-Andersen 2013, S. 2f.]. Nicht zuletzt aufgrund solcher Anstrengungen ist der öffentliche Sektor momentan der mit Abstand größte Anbieter von Open Data.

Ein weiteres verwandtes Konzept stellt der Linked-Data-Ansatz dar, der auf die Überlegungen zum Semantic Web zurückgeht [Berners-Lee, Hendler, Lassila 2001]. Darunter werden Methoden verstanden, um Daten über das World Wide Web zu veröffentlichen und miteinander zu vernetzen. Die durch eben diese Methoden vernetzten Datenbestände werden auch als Linked Open Data bezeichnet.

Potentiale und Herausforderungen

Open Data bergen bedeutende Potentiale in Hinblick auf ihre sozialen und wirtschaftlichen Nutzenversprechen [Jetzek, Avital, Bjorn-Andersen 2013, S. 3f.]. Der soziale Beitrag liegt, bezogen auf Open Government Data, in einer erhöhten Transparenz des Regierungshandelns, was das Vertrauen in staatliche Institutionen stärken und demokratische Strukturen festigen kann. Durch die Öffnung von Staat und Verwaltung nach außen werden auch bürgerliches Engagement und Partizipation gefördert [Janssen, Charalabidis, Zuiderwijk 2012, S. 261]. Die genannten sozialen Potentiale wurden bislang vor allem mit staatlichen Institutionen in Verbindung gebracht, jedoch steigt auch in privatwirtschaftlichen Organisationen der Druck, das eigene Geschäftsgebaren transparent zu gestalten und die Zusammenarbeit mit externen Akteuren zu suchen. Zu den ökonomischen Nutzenversprechen von Open Data zählt die Stärkung von Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit. Open Data fungieren dabei als wichtiger Rohstoff für die Entwicklung von neuartigen, informationsintensiven Produkten und Dienstleistungen [Jetzek, Avital, Bjorn-Andersen 2014, S. 107]. Speziell aus Sicht der Open-Data-Nutzer kann die Offenlegung von Daten zu Effizienzverbesserungen führen, beispielsweise indem mit dem Zugriff auf Open Data Aufwände für Datenerhebungen reduziert werden oder Open Data zu einer effizienteren Integration in Wertschöpfungsketten führen.

Den genannten Nutzenpotentialen stehen technische und soziale Barrieren in Hinblick auf die Erstellung, Veröffentlichung, Suche und Verarbeitung von Open Data sowie auf deren Bewertung und Beurteilung gegenüber [Zuiderwijk, Janssen 2014, S. 124f.]. Diese führen zu einem qualitativ sowie quantitativ unzureichenden Angebot an Open Data und schränken auch deren Nutzung ein. Aus technischer Sicht sind beispielsweise die fragmentierte Landschaft von Open-Data-Plattformen, unzureichendes Metadatenmanagement sowie die fehlende Verfügbarkeit geeigneter Werkzeuge zur Weiterverarbeitung und Bewertung zu nennen. Auf Anbieterseite stellen häufig rechtliche Bedenken hinsichtlich der Veröffentlichung von Open Data soziale Hemmnisse dar. So besteht aus datenschutzrechtlicher Sicht die Gefahr, dass Daten deanonymisiert und zurückverfolgt werden können [Kulk, Loenen 2012, S. 201f.]. Zudem kann die Veröffentlichung von Daten zu Konflikten mit dem Urheberrecht führen. Häufig fehlt die Bereitschaft, Daten kostenfrei und für jedermann zugänglich zur Verfügung zu stellen, da zum einen der Verlust von Geschäftsgeheimnissen und Wettbewerbsvorteilen befürchtet wird und zum anderen kein Mehrwert erkannt wird, der die notwendigen Investitionen zur Datenveröffentlichung, -aufbereitung und -pflege rechtfertigt. Auf Seiten der Nachfrager bestehen vor allem große Unsicherheiten in Hinblick auf die Auffindbarkeit, Qualität, Herkunft und Interpretation von Open Data. Vielen Akteuren fehlt es an den notwendigen Kenntnissen, um die oftmals komplexen Datensätzen zu verarbeiten und diese in adäquate Anwendungen oder Geschäftsmodelle zu übersetzen [Jaakkola, Mäkinen, Eteläaho 2014, S. 29f.].

Open-Data-Plattformen

Open Data werden in der Regel über Open-Data-Plattformen zur Verfügung gestellt, um sie einem möglichst breiten Kreis von Anwendern zur Verfügung zu stellen und die Nutzung bzw. Weiterverarbeitung zu fördern. An einer solchen Plattform sind folgende Akteure beteiligt (vgl. Abbildung 1):

Abb. 1: Akteure einer Open-Data-Plattform [in Anlehnung an Smith, Ofe, Sandberg 2016,
S. 1278]

Der Anbieter von Open Data (Unternehmen, staatliche Organisation, etc.) stellt die Daten in Erwartung der oben genannten Nutzenversprechen zur Verfügung. Der Grad der Aufbereitung und der Qualitätssicherung der Daten hängt vom jeweiligen Kontext ab, ebenso in welcher Art und in welchem Format die Daten angeboten werden.

Der Betreiber der Open-Data-Plattform stellt die Infrastruktur zur Veröffentlichung und zum Zugriff auf die Open Data bereit und ist für deren Wartung verantwortlich. Damit verbunden können ebenfalls Aufgaben der Datenaufbereitung, wie etwa der Aggregation, semantischen Anreicherung oder Kategorisierung, sein. Häufig wird der Datenzugriff auf einer Open-Data-Plattform über ein Webportal realisiert, der durch Beschreibungen der Datensätze (Metadaten) ergänzt wird. Beschränkt sich die Plattform nicht auf die reine Datenbereitstellung, sondern zielt auf den Datenaustausch und –handel in einer kooperativen Umgebung ab, wird sie auch als Open-Data-Marktplatz bezeichnet.

Der Entwickler von Open Data Services nutzt Open Data, um auf deren Basis neue Dienstleistungen (z.B. Apps) oder Geschäftsmodelle zu konzipieren. Die Entwicklungsarbeit beinhaltet beispielsweise die Kombination, Aggregation oder Visualisierung von Open Data. Dabei können sowohl kommerzielle als auch nicht kommerzielle/soziale Ziele verfolgt werden.

Der Endnutzer der Open Data Services deckt durch die Inanspruchnahme der Dienstleistungen seine individuellen Bedürfnisse ab. Auch ist eine direkte Nutzung der Open Data möglich.

Literatur

Berners-Lee, Tim; Hendler, James; Lassila, Ora: The Semantic Web. Scientific American, 284(5), 2001, S. 34–43.

Jaakkola, Hannu; Mäkinen, Timo; Eteläaho, Anna: Open Data – Opportunities and Challenges. In Rachev, Boris; Smirkarov, Angel (Hrsg.): Proceedings of the 15th International Conference on Computer Systems and Technologies. New York (USA), 2014, S. 25–39.

Janssen, Marijn; Charalabidis, Yannis; Zuiderwijk, Anneke: Benefits, Adoption Barriers and Myths of Open Data and Open Government. Information Systems Management, 29(4), 2012, S. 258–268.

Jetzek, Thorhildur; Avital, Michel; Bjorn-Andersen, Niels: Data-Driven Innovation through Open Government Data. Journal of Theoretical and Applied Electronic Commerce Research, 9(2), 2014,
S. 15–16.

Jetzek, Thorhildur; Avital, Michel; Bjorn-Andersen, Niels: Generating value from open government data. In Baskerville, Richard; Chau, Michael (Hrsg.): Proceedings of the 34th International Conference on Information Systems. Milan (Italien), 2013, S. 1-20.

Kulk, Stefan; van Loenen, Bastiaan: Brave New Open Data World?. International Journal of Spatial Data Infrastructures Research, 7, 2012, S. 196-206.

Lindman, Juho; Rossi, Matti; Tuunainen, Virpi Kristiina: Open Data Services: Research Agenda. In Ralph H. Sprague, Ralph H. (Hrsg.): Proceedings of the 46th Annual Hawaii International Conference on System Sciences. Wailea, Hawaii (USA), 2013, S. 1239–1246.

Smith, Göran; Ofe, Hosea Aayaba; Sandberg, Johan: Digital Service Innovation from Open Data: Exploring the Value Proposition of an Open Data Marketplace. In Bui, Tung X.; Sprague, Ralph H. (Hrsg.): Proceedings of the 49th Annual Hawaii International Conference on System Sciences. Koloa, Hawaii (USA), 2016, S. 1277–1286.

Zuiderwijk, Anneke; Janssen, Marijn: Barriers and Development Directions for the Publication and Usage of Open Data: A Socio-Technical View. In Gasco-Hernandez, Mila (Hrsg.): Open Government: Opportunities and Challenges for Public Governance. Springer: New York, 2014, S. 115-135.

Autor


 

Prof. Dr. Barbara Dinter, Technische Universität Chemnitz, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Professur Wirtschaftsinformatik - Geschäftsprozess- und Informationsmanagement, Thüringer Weg 7, 09126 Chemnitz

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Zuletzt bearbeitet: 13.12.2016 18:39
Letzter Abruf: 20.10.2017 10:38
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