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Repository-System (Repository)

Ein Repository-System bzw. Repository ist ein System zur Speicherung von Metadaten; Metadaten sind Daten über Objekte der Informationsverarbeitung (heute teilweise auch Assets genannt), beispielsweise über Daten, Funktionen, Prozesse, Anwendungssysteme, Komponenten der IT-Infrastruktur etc. Ausgangspunkt der Entwicklung von Repositories waren die sogenannten Data Dictionaries.

Data Dictionary-Systeme speicherten ursprünglich als Bestandteil eines Datenbankmanagementsystems die Schemata der verwalteten Datenbanken. Den nächsten Entwicklungsschritt bildeten Systeme, die Datenstrukturen über die einzelnen Datenspeicher hinweg sowie auch eine Darstellung der Strukturen auf konzeptioneller Ebene als Metadaten speichern konnten. Einige von ihnen besaßen auch eine Data Directory-Komponente, d.h. ein Verzeichnis, wo die Daten abgelegt sind und wie der Zugriff auf sie erfolgt. Die Systeme entstanden durch Erweiterung von Datenbank-Data Dictionaries (z.B. Predict oder Data Base/Data Communication Data Dictionary) oder als eigenständige Anwendungen (z.B. Manager Products Dictionary/Repository oder Rochade; letzteres bzw. seine aktuellen Versionen werden heute verbreitet im Host-Bereich eingesetzt).

Mit der Erweiterung der Systeme dahingehend, dass weitere Metadaten insbesondere des Softwareentwicklungsprozesses in ihnen gespeichert werden konnten, entstand die Bezeichnung „Repository“. Durch das Schema eines Repository – Informationsmodell genannt – legt der Anbieter fest, welche Objekttypen gespeichert werden können und welche Informationen zu den Objekten eines Typs. Zunächst konnten nur die Informationsmodelle einzelner Repositories erweitert werden; inzwischen ist eine solchen Erweiterungsmöglichkeit bzw. die Definition eigener Metamodelle ein übliches Feature.

Anfang der 90er Jahre präsentierte IBM einen umfassenden  Ansatz für ein „offenes“ CASE-Repository. Er erweiterte das Konzept der Enzyklopädie des Information Engineering, wie es in den Systemen IEF und ADW umgesetzt worden war: Der Repository Manager MVS sollte als Kern der Application Development/Cycle-Umgebung wie eine Enzyklopädie zentral und integriert Metadaten von CASE-Tools speichern, aber nicht mehr nur die der Werkzeuge eines Herstellers. Eine Organisation sollte sich vielmehr aus den „anschließbaren“ Werkzeugen der unterschiedlichen Hersteller diejenigen aussuchen können, die ihre Softwareentwicklungsmethodik am besten unterstützen und die insgesamt den gesamten Lebenszyklus von Anwendungssystemen abdecken. Durch die zentrale Speicherung der Metadaten sollte eine flexible, integrierte Umgebung entstehen, in der die Metadaten eines Werkzeugs direkt von anderen Werkzeugen genutzt werden können. Bei den ausgewählten Pilotanwendern zeigte das mit sehr großem Aufwand entwickelte System jedoch Schwächen insbesondere bezüglich der Performance. IBM zog es daraufhin 1992 vom Markt zurück.

Die Standardisierungsarbeiten des American National Standards Institute zu Repositories begannen Anfang der 80er Jahre und orientierten sich an den zu dieser Zeit verfügbaren Data Dictionaries; die Standards (ANSI X3.138-1988 und ANSI X3.185-1992) definieren die Grundstruktur eines Information Resource Dictionary System (IRDS) sowie das Service Interface, d.h. die Schnittstelle für Softwarewerkzeuge zum Lesen, Speichern, Ändern und Löschen von Metadaten. Die International Organization for Standardization (ISO) hat, da die ANSI-Standards den CASE-Bereich unberücksichtigt lassen, eine eigene Rahmendefinition für ein IRDS (ISO 10027) und ein zugehöriges Service Interface (ISO 10728) entwickelt. Konkrete Ergebnisse von weiteren - gemeinsam von der ISO und dem ANSI durchgeführten Standardisierungsbemühungen - sind nicht bekannt geworden. Standards wurden nur für ein Java Content Repository (JCR) definiert.

Eingesetzt werden Repositories heute im Rahmen des Metadatenmanagements vor allem im Bereich der Systementwicklung, des Software-Reengineering, der IT-Governance, des Content Managements und nicht zuletzt im Bereich der Serviceorientierten Architekturen (hier als Service-Repository und für die SOA Governance). Auch andere Systeme wie z.B. die Konfigurationsdatenbank im IT-Infrastrukturmanagement (vgl. ITIL) sind zumindest im weiteren Sinne als Repositories einzuordnen. Ein anderes Beispiel sind die Repositories von Lernmanagement-Systemen für das eLearning. Die Grenze zwischen den verschiedenen Anwendungsbereichen sowie auch zu denen von Directories bzw. Registries (z.B. UDDI-Verzeichnisse) ist fließend.

Einsatz finden neben kommerziellen Systemen (z.B. Rochade (s.o.), Centra Site, CaseWise, HP/BEA AquaLogic® Registry Repository etc.) und Open-Source-Systemen (z.B. Artifactory 1.2.5 Maven 2 Enterprise Repository, das Repository des CMS-Systems Alfresco etc.) nicht selten Eigenentwicklungen – nach Aussagen verschiedener Unternehmen insbesondere wegen fehlender Schnittstellen sowie der Lizenzkosten der kommerziellen Systeme.

Veröffentlichungen, die sich umfassend mit Repositories auseinandersetzen, gibt es nur wenige (vgl. unten). Aussagen zu Repositories finden sich darüber hinaus in einzelnen Veröffentlichungen zu den genannten Einsatzbereichen.

Literatur

Eicker, Stefan: IV-Dictionary – Konzepte zur Verwaltung betrieblicher Metadaten. Berlin : de Gruyter, 1994.

Duda, Alexander: Service Repository: Konzeption und Implementierung auf Basis eines Dokumentenmanagementsystems. Saarbrücken : Vdm Verlag Dr. Müller, 2008.

Marco, David: Building and Managing the Meta Data Repository: A Full Lifecycle Guide. New York : John Wiley & Sons, 2000.

 

Autor


 

Prof. Dr. Stefan Eicker, Universität Duisburg-Essen, Institut für Informatik und Wirtschaftsinformatik (ICB), Universitätsstraße 9, 45141 Essen

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Zuletzt bearbeitet: 31.10.2012 21:01
Letzter Abruf: 27.03.2017 18:25
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